Ihre Entstehung verdanken beide Friedhöfe dem Gedankengut der Aufklärung, die in Braunschweig zu einer kulturellen Blüte führte. Die ursprünglich neben den Stadtkirchen befindlichen Friedhöfe wurden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts „in der Natur“ vor den Toren der Stadt neu angelegt. Um 1718 entstand so der Magnifriedhof bei St. Leonhard, der bis 1839 noch zwei Erweiterungen erfuhr.

Nach Rückkehr des herzoglichen Hofes nach Braunschweig (nach 1671) musste für die Angehörigen des Hofes ein neuer Begräbnisort gefunden werden, weil der Kirchhof neben dem Dom nicht mehr zur Verfügung stand. So ließ 1720 Herzog August Wilhelm auf der nordöstlich an den Magnifriedhof grenzenden Parzelle einen Friedhof für Angehörige des Hofes, des Hoftheaters, der Hochschule und anderer Landeseinrichtungen einrichten, der später nach Osten für die Domgemeinde erweitert und seit 1783 als Domfriedhof bezeichnet wurde. Insbesondere der Domfriedhof erfuhr seit 1810 eine landschaftsgestalterische Umformung im Sinne der Aufklärung in Parkform durch den Hofgärtner Zimmermann.

1887 erfolgte mit der Eröffnung des neuen Hauptfriedhofes in der Helmstedter Straße eine Schließung der Außenfriedhöfe, wenngleich die zur Hof- und Domgemeinde zählenden Familien auch weiterhin Bestattungen auf dem Domfriedhof vornehmen lassen durften.

Der Dom- und Magnifriedhof ist Begräbnisstätte berühmter Braunschweiger Bürgerinnen und Bürger wie zum Beispiel Lessing, Westermann, Huch und Vieweg. Zusammen mit dem St. Magni-Friedhof bildet der Domfriedhof eine grüne Oase am Rand der Innenstadt (Zugang von der Gerstäckerstraße).

Die Domfriedhofskapelle wird seit vielen Jahren von der griechisch-orthodoxen Gemeinde genutzt; hier finden 14-täglich Gottesdienste statt.

DOMFRIEDHOF

  1. Julius Georg Paul Du Roi (1754-1825), Geh. Justizrath
  2. Carl Theodor Ottmer (1800-1843), Baumeister (Singakademie Berlin, Schloss und alter Bahnhof Braunschweig)
  3. Hans von Pawel (1856-1925), aus einer Patrizierfamilie der Altstadt
  4. Egidius Crato Keck (1710-1777), Herzoglicher Leibarzt
  5. Wilhelm Mewes (1848-1908), Hofschauspieler
  6. Ludwig-Friedrich Knapp (1814-1904), bahnbrechender chem. Technologe, Großvater von Elly Heuss-Knapp
  7. Karl August von Schwartz (1873-1943), Hof- und Domprediger
  8. Karoline von Wenbergen (1730-1766), Ehefrau von Johann Heinrich Oden, Bildhauer
  9. Johann Christian Burmester (1791-1853), Hofgärtner
  10. August Klingemann (1777-1831), Schriftsteller und Hoftheaterdirektor (1. Aufführung Goethes „Faust“)
  11. Julius Wilhelm Pott (1777-1813), Arzt

MAGNIFRIEDHOF

  1. Friedrich Gerstäcker (1816-1872), Schriftsteller
  2. Friedrich Ritter von Voigtländer (1812-1878), Fabrikant optischer Geräte
  3. Albert Limbach (1838-1898), Buchdruckerei (u.a. „Braunschweiger Zeitung“)
  4. Johannes Jacob Selenka (1801-1871), Hofbuchbindermeister und Handwerksinteressenvertreter
  5. Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), Aufklärer und Dichter
  6. Joh. Joachim Eschenburg (1743-1820), Literatur-Historiker, enger Freund Lessings
  7. Georg Howaldt (1802-1864), Erzgießer und Bildhauer (Lessingdenkmal, Reiterstandbilder)
  8. Carl Schiller (1807-1850), Privatgelehrter und 1. Leiter des Städtischen Museums
  9. Peter Joseph Krahe (1758-1840), Baumeister (Wallring, Salve Hospes, Torhäuser)
  10. Joachim Heinrich Campe (1746-1818), Pädagoge, Sprachforscher, Jugendschriftsteller
  11. Friedrich Vieweg (1761-1835), Verleger naturwissenschaftl. Literatur, Bauherr Vieweghaus Burgplatz
  12. Georg Westermann (1810-1879), Verlag Schöne Literatur und Atlanten