Kanzel

Die Grablege Heinrichs des Löwen und seiner Ehefrau Mathilde, der Marienaltar und der große Siebenarmige Leuchter sind Stationen auf dem Weg zur Auferstehung, zum Himmlischen Jerusalem. Der Marienaltar ist der Tisch der Wegzehrung, seine Tischplatte ruht auf den „Lilien des Feldes“, umgeben von Adlern. Es ist ein Braunschweiger Weg, vorüber an den Lilien des Feldes, zum Tod, zum Baum der Erlösung.

Die Kanzel (2001) von Helmut Moos steht als Predigerfelsen an diesem Weg. Sie ist wie ein Verkündigungsstein an einem Rastplatz. Ein Bezug ist die Bibelstelle 4. Buch Mose, Kapitel 16 – 20: Die Volksstämme Israels auf ihren Wanderungen durch die Wüste und der Suche nach dem gelobten Land sind ausweglos zerstritten und wissen nicht mehr weiter. Ihrem Anführer Mose wollen sie nicht mehr folgen. Gottes Hilfe bietet sich in einer vegetativen Bildsprache an: Legt zwölf knospende Stäbe stellvertretend für die Stämme Israels über Nacht ins Offenbarungszelt zur Bundeslade! Der ergrünende Stab am Morgen soll euer Wegweiser sein! – Es ergrünte der Stab Moses und der Aarons.

Die neue Kanzel greift diese Bildsprache auf, wie dies auch der Siebenarmige Leuchter und die Gestalt des Marienaltars tun. Die zwölf Knospenstäbe der Stämme Israels sind in den Felsen eingepfropft und bilden das schützende Geländer für den/die Prediger/in. Sie sind wie die Felsen aus Bronze gestaltet, wobei der grünende Stab als herausnehmbarer Wanderstab aus Nussbaumholz geschnitzt ist. Er ist der Stab, mit dem Mose eine Quelle aus dem Felsen hervorlocken konnte. Die Quelle ist unter dem grünenden Stab um den Felsen dargestellt. Sie erfrischt den Wanderer auf der Suche nach dem gelobten Land. (Vgl. auch 2. Buch Mose 17, 8 ff.)

Aber für Mose kommt eine Verlassenheitsstunde, als das Volk Israel ihn anklagt, er lasse es in der Wüste dürsten. Mose fragt zweifelnd zurück: „Meint ihr denn, mit diesem Stab könne ich Wasser aus einem Felsen schlagen?“ Deshalb gibt es den „Karfreitagsstab“, als ein totes Holz gestaltet, fragend angesichts von Leiden und Zweifeln: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

In der Bildsprache der Bibel quillt ein Quell unter dem Stab hervor. Aus den Knospen wächst Neues. Du kannst neu werden! Gott kennt auch dich und hat dich lieb.“

„Es ist ein Ros’ entsprungen“ (vgl. Jesaja 11)