Marienaltar
Marienaltar
Das zentrale liturgische Ausstattungsstück des Braunschweiger Doms ist der Marienaltar zwischen den Stufen zum Hohen Chor. Von Heinrich dem Löwen in Auftrag gegeben, wurde der Marienaltar von Bischof Adelog von Hildesheim am 8. September 1188, dem Tag der Geburt Mariens, geweiht. Fünf aus Bronze gegossene, schlanke Säulen tragen eine neun Zentner schwere Altarplatte aus grauschwarzem Marmor. An den Kapitellen der vier Ecksäulen recken sich vier Adler in alle Himmelsrichtungen empor, die mit Leichtigkeit die schwere Last der Platte auf ihren Schwingen zu balancieren scheinen.
Nur mit Blattwerk geschmückt ist das Kapitell der fünften Säule in der Mitte der Altarplatte. Darin wurde zur Weihe des Altars 1188 ein Gefäß aus Blei eingelegt, das zahlreiche Reliquien enthielt. Im Deckel wurde eine Inschrift eingraviert, die Patronat und Stifter des Altares sowie das Weihedatum nennt. Eine Replik der Weiheplakette ist im Dom erhältlich. Der im Jahr 2000 restaurierte Altar birgt heute die Reste des Reliquienschatzes, dessen mittelalterliche Bedeutung auf die Pilgerreise Heinrichs des Löwen 1172 nach Byzanz und Jerusalem gründet.
Den mittelalterlichen Kirchenvorschriften entsprechend, wurden auch im Marienaltar Reliquien niedergelegt, die nicht zwangsläufig mit dem Altartitel identisch sein mussten. Im Jahre 1966 wurde im mittleren Säulenkapitell ein entsprechendes Altarsepulchrum in Form eines konisch zulaufenden Bleigefäßes aufgefunden. Der einen Durchmesser von 21 cm aufweisende Deckel trägt folgende eingeritzte lateinische Weiheinschrift:
+ ANNO. D[OMI]NI. M. C. LXXX. VIII. DEDICATV[M]. EST. HOC. ALTARE IN. HONORE. BEATE. DIE. GENETRICIS. MARIE. / + AB. ADELOGO. VENERABILI. EP[ISCOP]O. HILDELSEM[EN]SI. FVNDANTE. AC. PROMOVE[N]TE. ILLVSTRI. DVCE. HENRICO. / + FILIO. FILIE. LOTHARII. INPERATORIS. ET RELIGIOSISSIMA. EIVS. CONSORTE. MATHILDI. / + FILIA. HENRICI. SECVNDI. REGIS ANGLOR[UM]. FILII. MATHILDIS. I[M]P[ER]AT[RI]CIS. ROMANOR[UM].
„Im Jahre des Herrn 1188 ist dieser Altar zur Ehre der seligen Gottesmutter Maria geweiht worden von Adelog, dem ehrwürdigen Bischof von Hildesheim durch Stiftung und auf Veranlassung des erlauchten Herzogs Heinrich, des Sohnes der Tochter des Kaisers Lothar, und seiner sehr frommen Gemahlin Mathilde, der Tochter Heinrichs II., des englischen Königs, des Sohnes der römischen Kaiserin Mathilde.“