V - Versuchung

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V - Versuchung

# Wort zum Alltag

V - Versuchung

Versuchung - Ein Wort, mit dem man sich plagen kann.
Die Bibel erzählt, dass Jesus versucht wurde. Bei Matthäus ist es der Teufel, der ihn versucht, als er in der Wüste fastet, sich den Grenzerfahrungen menschlicher Existenz - Hunger, Durst, Verlassenheit – aussetzt. Fast klingt es so – jedenfalls bei Matthäus – als ginge er überhaupt nur deshalb in die Wüste, um sich mit Versuchungserfahrungen zu konfrontieren.
Als ihn hungert, sagt der Versucher: „Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.“ Du könntest das. Flüstert es.
Als er auf einer Tempelzinne über Jerusalem steht (Wie kommt er dahin? Es ist doch eine Wüstengeschichte…), sagt das Böse: „Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden“. Du würdest von Engeln getragen. Flüstert es.
Dann zeigt der Versucher ihm die Schätze der Welt. „Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.“ Reichtum, Einfluss, Unantastbarkeit könntest du haben. Flüstert es.
Der, der unschuldig sterben wird, der der an der Seite der Hungernden und Gefährdeten bleiben wird, der der auf Macht und Gewalt verzichtet, widersteht. Er kann das.
Wer versucht ihn? Ist da eine böse Macht neben Gott? Kommt sie aus uns oder ringen doch Gut uns Böse miteinander?
Es sind große Fragen und wir beten darum Tag für Tag, so wie Jesus, der das erlebt hat, formulierte: „Und führe uns nicht in Versuchung.“ Eine Formulierung, die quält und irritiert. Meschen zutiefst an Gottes Barmherzigkeit und Güte zweifeln lässt. Tut Gott das? Versucht er uns?
2017 – vermutlich nicht zufällig in Jahr des Reformationsjubiläums – stieß Papst Franziskus eine Übersetzungsdebatte an. Ist die Formulierung, wie wir sie kennen, sinnentstellend? Sollte es nicht richtiger heißen: „Führe uns durch die Versuchung hindurch“ oder „Lass uns nicht in Versuchung geraten“? Franziskus hält fest: Gott stellt uns keine Fallen. Jesus Christus hat an unserer Stelle der Versuchung widerstanden.
Und es schwingt etwas mit, dass ich so deuten würde: Lasst uns nicht in Versuchung geraten, den Versuchungen Macht zu geben – sondern vertrauen wir darauf, dass unser Gott, der eine ist und in den Schwachen mächtig.
Die Geschichte in der Wüste erzählt es eindrücklich.


Dompredigerin Cornelia Götz

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