Und Jesus kamen die Tränen.

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# Wort zum Alltag

Und Jesus kamen die Tränen.

„Und Jesus kamen die Tränen.“ Dieses Wort aus dem Johannesevangelium steht über dem Monat März. Es stammt aus dem Bericht über die Auferweckung des Lazarus. Jesus ist, so kann man sagen, sehr eng befreundet mit den Geschwistern Maria, Marta und Lazarus. Lazarus liegt im Sterben und die dramatische Geschichte erzählt, wie die Schwestern Jesus, der irgendwo in Galiläa unterwegs ist, eine Nachricht zukommen lassen, in der sie ihn bitten, so schnell wie möglich nach Bethanien zu kommen. Doch Jesus zögert zwei Tage lang. Er zögert sehr bewusst, denn als er schließlich aufbricht, sagt er zu seinen Jüngern, dass Lazarus gestorben ist, er ihn aber auferwecken werde. „Und dadurch werdet ihr zum Glauben kommen“, fügt er an.
Als er und seine Jünger in Bethanien ankommen, treffen sie auf zwei verzweifelte und tief trauernde Frauen, Maria und Marta, die umgeben sind von trauernden Familienmitgliedern und Freunden. In dieser Situation sagt Jesus zu Marta jene Worte, die auch uns allen Trost und Hoffnung geben: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, wenn er auch stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?“ Und Marta antwortet ohne zu zögern: „Ja, das glaube ich!“
Maria, ihre Schwester, denkt anders. Sie hält Jesus vor: „Wärst Du rechtzeitig hier gewesen, wäre Lazarus nicht gestorben!“ Das macht Jesus betroffen und traurig und als Maria ihn zum Grab führt, fängt er selbst an zu weinen. Und Jesus kamen die Tränen.
Aber warum? Es läuft doch alles nach Plan. Jesus will an Lazarus ein Zeichen setzen, damit die Menschen um ihn herum, die jetzt noch zweifeln, zum Glauben finden. Das hat er seinen Jüngern angekündigt und gleich wird er es tun. Warum weint er dann?
„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns“, so heißt es ganz zu Beginn des Johannesevangeliums. Das Wort ward Fleisch, Gott ward Mensch und als Mensch ist er unterwegs, auch hier in Bethanien. Er sieht die Trauer und das Leid seiner Freundinnen, er sieht die weinenden Menschen und all das rührt ihn an. Ja, er weiß, dass er Lazarus zurück ins Leben holen kann und wird. Und dennoch lässt ihn der Schmerz seiner Mitmenschen nicht kalt.
Vielleicht erschrickt Jesus auch vor der Macht des Todes, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht gebrochen ist. Doch wie dem auch sei: Jesus zeigt sich hier von einer zutiefst menschlichen Seite, zu der auch Verletzlichkeit hinzugehört. Auch er, Gottes Sohn, der selbst Gott ist, ist nicht frei davon.
Wie glücklich können wir sein, dass er uns sieht, auch und gerade, wenn es in unserem Leben schwer ist. Und wir dürfen wissen, dass er uns versteht. Denn er hat all das am eigenen Leibe erfahren. Gott sei Dank! Amen.


Prädikant Heiko Frubrich

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