Übergangsmut

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# Wort zum Alltag

Übergangsmut

„Und wieder ein Jahr geschafft“, sagt die alte Dame, deren Geburtstag wir feiern. Es ist schön, wie zuversichtlich und fröhlich sie ins neue Lebensjahr blickt. Ja, es soll ein gutes werden! Nicht jedem ist das gegeben. Andere fragen sich eher ängstlich, was wohl aus der Welt und dem eigenen Leben werden wird. Bei Übergängen sind Gefühle oft zwiespältig: Manche Menschen möchten lieber nichts Neues, andere sehnen das Neue gerade zu herbei.
Die Schriftstellerin Helga Schubert hat dazu ein wunderbares Buch geschrieben. „Luft zum Leben“ heißt es und erzählt Geschichten, die alle von Übergängen handeln: von Geburten und Sterbefällen, von Umzügen oder einem Berufswechsel, von Reisen oder neuen Lebensabschnitten, die bewältigt werden müssen.
Übergänge, davon ist Helga Schubert überzeugt, erfordern Haltung, damit man nicht schlittert wie auf blankem Eis. Im Vorwort ihres Buches schreibt die 85 Jahre alte Schriftstellerin von der Erfahrung, die sie beim Schreiben ihrer Geschichten leite: Es gibt immer einen Ausweg in eine Rettung, einen Übergang in eine vorher unsichtbare, unvorstellbare Lösung.
Das ist ein hoffnungsstarker Gedanke, finde ich: Wer Hoffnung hat, kann etwas aufrechter durchs Leben gehen. Eben weil man nicht schlittert, sondern vor Augen hat, dass auch Unbekanntes und Unvertrautes zu etwas Gutem führen kann. Darauf vertraut die Schriftstellerin Helga Schubert, wenn sie von Menschen in Zeiten des Übergangs erzählt.
Und zugleich gilt: Niemand kann immer nur alleine stehen. Wer Haltung im Leben braucht, der muss sich bisweilen festhalten dürfen wie an einem Geländer. Festhalten kann man sich an Überzeugungen, an Menschen und auch am Glauben. Als der auferstandene Jesus seine Jünger verlässt, sagt er zu ihnen: „Denkt daran: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ (Matthäus 28,20)
 Aus diesem Vertrauen kann Übergangsmut wachsen. Den brauchen wir Menschen in dieser friedlos taumelnden Welt, in der wir immer etwas mehr Zuversicht als Zukunftszweifel haben sollen. Weil wir nicht allein sind, weil Menschen uns beistehen, weil Gott uns nahe ist. Und weil es immer Hoffnung geben soll auf unsichtbare und vielleicht noch unvorstellbare Lösungen. Danke, liebe Helga Schubert, für diesen österlichen Gedanken!


Pfarrer Henning Böger

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