09/07/2026 0 Kommentare
U – Unkraut
U – Unkraut
# Wort zum Alltag

U – Unkraut
Ich brauche die App „Picture this“, um Unkraut sicher von dem Grünzeug zu unterscheiden, das ich im Blumenkasten haben will – wobei ich ein großes Herz für Ungeplantes habe, wenn es schön blüht. Ich hab keine wirkliche Ahnung, was Unkraut ist und ein bisschen ist das auch egal, denn es hängt eh von unserem Urteil ab, ob etwas Wildkraut oder Unkraut, unnütz und erwünscht ist.
Allerdings: einmal Unkraut zugelassen – wird das schnell zur Einbahnstraße. Das weiß, wer Giersch im Garten hat.
Auch die Bibel kennt Unkraut und benennt Dornen und Disteln, Nesseln, giftige Gräser und Gestrüpp. All das gab es auf Feldern und an Wegrändern, vor allem aber dort, wo Kulturland nach Kriegen oder Naturkatastrophen nicht mehr bearbeitet wurde, wo ganze Landstriche entvölkert waren.
Unkraut war eine Plage und ein Sinnbild.
Darum verfluchte Hiob sich selbst mit der Beschwörung, auf seinem Acker sollten Dieseln statt Weizen und Gerste wachsen, wenn er seinen Ackerleuten das Leben sauer gemacht und sein Korn nicht bezahlt haben sollte.
Der Prophet Zafania drohte: „Moab soll wie Sodom und die Ammoniter wie Gomorra werden, ein Unkrautfeld und eine Salzgrube und ewige Wüste.“
Wo das Unkraut übernommen hat – und das geht manchmal schneller als man denkt, ist gutes Leben nicht mehr möglich.
Jesus kannte die Angst vorm Unkraut auf den Feldern und dem Hunger, den das Unkraut ankündigte. Darum redete er in seinem Gleichnis über die Welt als Gottes gutem Acker und warnte vor dem „Unkraut unter dem Weizen“.
Der Inbegriff solchen Unkrautes war der Taumellolch. Die Pflanze kann bis zu 60 cm hochwerden und hat, ganz ähnlich wie der Weizen Halme, die in langen spitzen Ähren enden. Seine schwärzlichen Körner sind etwas kleiner als Weizenkörner.
Man konnte – wenn auch mit einiger Übung - den Taumellolch an seinen schmaleren Halmen vom Weizen unterscheiden, musste ihn aber rechtzeitig ausreißen, weil sich die Körner sonst bei der Ernte vermischten und gemeinsam zu Mehl verarbeitet wurden. Das war gefährlich, denn auf den Lolchkörnern wuchs häufig ein giftiger Pilz, der das Alkaloid Temulin produzierte, das zu Schwindel und auch zum Tode führen konnte.
Wer sich nicht rechtzeitig kümmerte, lief darum Gefahr, die gesamte Ernte zu verlieren, weil das komplette Mehl verdorben war.
Mit dem Unkraut geht eine Zeitansage einher.
Wenn die Ernte gut werden, wenn es auf unserer Welt freundlicher zugehen soll, dann ist die zeit zu beginnen jetzt, solange der Weizen noch gerettet werden kann.
Dompredigerin Cornelia Götz
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