T - Thekla

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# Wort zum Alltag

T - Thekla

Thekla - die von Gott Gerufene - ist eine Paulusschülerin. Von ihrem Schicksal berichtet das ökumenische Heiligenlexikon - vor allem aber eine apokryphe Schrift aus dem zweiten Jahrhundert, die es - obwohl orthodoxe Christen sie als Apostelin verehrten und der Text immer wieder abgeschrieben und in die Sprachen der alten Kirche (Koptisch, Syrisch, Armenisch, Arabisch, Lateinisch) übersetzt haben - nicht in den biblischen Kanon geschafft hat.
Der Text heißt „Die Akten der Thekla und des Paulus“ und erzählt von Thekla, einer jungen Frau aus Galatien, genauer aus der Stadt Ikonia, die aus einem gebildeten und wohlhabenden Elternhaus stammt. Thekla, so wird berichtet, war nicht verheiratet aber verlobt. 
Durch die vergitterten Fenster ihres Elternhauses hörte sie die Reden des Paulus, der ein mitreißender und überzeugender Redner gewesen sein muss und beschloss, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen und mit ihm zu reisen. Seine Rede, dass es keinen Unterschied mache, ob einer frei oder Sklave, Grieche oder Jude sei, dass alle in Jesu Nachfolge gerufen seien, ermutigte Thekla, ihre Verlobung zu lösen - mit gravierenden Folgen: 
So berichten die Akten vom Entsetzen der Eltern, vor allem der Mutter Theklas, die ihre Tochter um jeden Preis davon abhalten wollte, eine Schülerin des Paulus zu werden. Darum übergab sie ihre Tochter dem Statthalter mit er Aufforderung, die Gesetzlose zu verbrennen.
Doch zunächst wurde Paulus verhaftet, ins Gefängnis geworfen und angeklagt, die junge Frau durch seine Reden verführt zu haben. Thekla, für die nicht zu übersehen war, dass ihr Bekenntnis einen hohen Preis haben würde, besuchte den Paulus und stand ihm bei bis sie sie selbst gefangengenommen und nach ihrer Weigerung, sich von ihm loszusagen, zum Tode verurteilt wurde.
Sie sollte von wilden Tieren zu Tode gehetzt werden - die aber griffen sie nicht an. Dann sollte sie auf dem Scheiterhaufen brennen – aber der Regen löschte das Feuer.
Die Überlebende verließ die Stadt und ging nach Antiochia. Dort wurde sie von einem Priester eines römischen Tempels sexuell belästigt. Als sie sich wehrte, fiel seine Krone, sein Kopfputz, in den Dreck. Und wieder wurde sie zum Tode verurteilt. Dieses Mal sollten wilde Tiere die nackte wehrlose Frau in einer Arena zerreißen. Auch Paulus war dabei – aber verteidigte seine treue Schülerin nicht, sondern verleugnete sie. Ihr Leben verdankte sie der Solidarität von Frauen – die sich nur lautstark für Gerechtigkeit und damit Bestrafung des Proesters einsetzten, sondern – so berichten es die Akten – mit Ölen und Kräutern in die Arena kamen, die so stark dufteten, dass die wilden Tiere narkotisiert wurden.
Zuletzt berichten die Akten, dass Thekla lehrte und taufte und bis ins hohe Alter in einer Höhle als Eremitin lebte.
Thekla.
Eine mehr, die wir vergessen haben.


Dompredigerin Cornelia Götz

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