22/06/2026 0 Kommentare
Segensreich
Segensreich
# Wort zum Alltag

Segensreich
Heute möchte ich mit Ihnen über ein einzelnes Wort nachdenken: segensreich.
Wenn wir im Wörterbuch nachschlagen, finden wir folgende Erklärung: segensreich bedeutet viel Gutes bewirkend, förderlich, hilfreich, zum Segen werdend.
Ein altes Wort vielleicht, aber eines, das wir bis heute verwenden. Auf Wikipedia findet sich bei der Begriffserklärung zum Wort "SegensReich" folgender Beispielsatz: „Die Weihnachtszeit ist die Zeit der Bescherungen – und dies nicht nur unter dem Weihnachtsbaum. Auch für Spielzeughersteller ist es eine segensreiche Zeit, die viel Geld in ihre Kassen spült.“
Hier wird das Wort ganz weltlich verwendet. „Segensreich“ bedeutet in diesem Zusammenhang einfach: erfolgreich, gewinnbringend, vorteilhaft.
Doch wenn wir das Wort hören, denken viele Menschen an mehr als nur wirtschaftlichen Erfolg. Das zeigt sich auch daran, dass der Begriff an ganz unterschiedlichen Orten verwendet wird. So gibt es den christlichen Onlineshop Segensreich des Klosters Maria Laach. Dort werden Bücher, Klosterprodukte und Geschenkartikel angeboten. In der Nordkirche gibt es eine kirchliche Kasualagentur mit dem Namen „segensreich“, die Menschen bei Taufe, Hochzeit, Trauerfeiern und anderen Lebensübergängen begleitet. Und in Schöppenstedt gibt es einen sozialen Treffpunkt mit dem Namen "SegensReich".
Offenbar verbinden Menschen mit diesem Wort etwas Positives. Etwas, das dem Leben gut tut. Etwas, das Hoffnung schenkt.
Aber was macht etwas oder jemanden wirklich segensreich?
Wenn wir auf unser eigenes Leben schauen, denken wir vermutlich nicht zuerst an Geld oder Erfolg. Vielleicht denken wir an Menschen. An eine Lehrerin, die an uns geglaubt hat. An einen Freund, der in einer schweren Zeit da war. An Eltern oder Großeltern, die uns geprägt haben. An jemanden, der zugehört hat, als wir Sorgen hatten. Solche Menschen nennen wir oft segensreich. Nicht, weil sie reich waren. Nicht, weil sie berühmt waren. Sondern weil durch sie etwas Gutes in unser Leben gekommen ist.
In der Bibel spricht Gott zu Abraham: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“ (1. Mose 12,2) Dieser Satz ist bemerkenswert. Gott sagt nicht: Du sollst erfolgreich sein. Du sollst mächtig sein. Du sollst bewundert werden. Sondern: Du sollst ein Segen sein. Das bedeutet: Gottes Segen ist nichts, was wir für uns behalten sollen. Er möchte weitergegeben werden.
Vielleicht geschieht das viel häufiger, als wir denken. Durch ein freundliches Wort. Durch einen Besuch. Durch Geduld. Durch Hilfsbereitschaft. Durch Menschen, die anderen Zeit schenken.
Die segensreichsten Dinge im Leben sind oft erstaunlich unscheinbar. Sie stehen selten in der Zeitung. Sie werden nicht mit Preisen ausgezeichnet. Aber sie verändern Menschen und manchmal sogar ganze Lebenswege.
Jesus hat uns genau das vorgelebt. Er hat Menschen gesehen, die andere übersehen haben. Er hat Kranke besucht, Ausgegrenzte angenommen und Verzweifelten neue Hoffnung gegeben. Wo Jesus Menschen begegnete, geschah etwas Segensreiches.
Und vielleicht ist das auch die Frage, die uns dieses Wort heute stellt: Was macht mein Leben segensreich? Wo bewirke ich Gutes? Wo schenke ich Hoffnung? Wo werde ich für andere zum Segen?
Denn eine segensreiche Welt entsteht nicht durch große Programme oder perfekte Menschen. Sie entsteht dort, wo Menschen einander mit Liebe, Aufmerksamkeit und Mitgefühl begegnen.
Möge Gott uns dabei begleiten und uns helfen, selbst segensreich zu leben.
Helge Böttcher, Domkirchenvorstand
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