11/06/2026 0 Kommentare
R - Rahel
R - Rahel
# Wort zum Alltag

R - Rahel
Inbegriff einer schönen jungen Frau. Sie beschert der Bibel eine ihrer größten Liebesgeschichten – und jede Menge Kummer und Tränen. Ihr Name bedeutet eigentlich so etwas wie „Mutterschaf“ – und das, obwohl ihr das Glück Mutter zu werden, lange lange verwehrt bleibt. Rahel war die jüngere Tochter Labans, des Onkels von Jakob und Esau. Zu ihm floh Jakob nachdem er seinen Bruder um den Segen der Erstgeburt betrogen hatte. Nach Jakobs langer Wüstenwanderung ist Rahel die erste, der er in der neuen Heimat – an einem Brunnen, dem Ursymbol von Tiefe und Lebenselixier – begegnet. Es ist Liebe auf den ersten Blick – die der Onkel Laban auszunutzen weiß. Denn der verspricht seine Rahel dem Jakob, weil er ahnt, dass mit diesem Flüchtling Gottes Segen ist und er daran verdienen kann. Aber Laban ist, wie sein zukünftiger Schwiegersohn, ein Betrüger. Er wird den Günstling Gottes festhalten solange er kann. Darum wird Jakob nicht nur einmal sondern zweimal sieben Jahre um die schöne Rahel dienen. Und als sie endlich ein Paar sein dürfen, ist das Glück überschattet – zunächst von Unfruchtbarkeit und dann von Rahels frühem Tod unter der Geburt ihres zweiten Sohnes. Jakob begräbt sie in der Nähe von Bethlehem. Heute liegt ihr Grab, das noch immer für viele Menschen ein hochbedeutsamer Pilgerort ist, in der Nähe der scheußlichen Mauer zwischen Jerusalem und dem Westjordanland.
Es verbindet Menschen und Orte. Es verbindet Geschichten. Denn Rahel, die so viel geweint hat, wird zur Schmerzensmutter ihres Volkes. Der Evangelist Matthäus erinnert an Rahels Tränen im Zusammenhang mit dem sogenannten bethlehemitischen Kindermord nach Jesu Geburt. Und er bedient sich dabei fast derselben Worte wir vor ihm der Prophet Jeremia, als der vom Weinen und Klagen der Mütter berichtete, deren Kinder auf Geheiß des Pharaos ermordet wurden (vielleicht erinnern Sie sich noch an die mutige Hebammen Pua und Schifra, die sich diesem furchtbaren Auftrag widersetzten.) Rahel weint. Und ihr Klagen um die toten Kinder klingt durch die Zeit. Also solche wird sie zur Protestfigur für alle Mütter, die darauf warten, dass ihre Kinder zurückkehren und ist so viel mehr als nur das rehäugige schöne Kind mit den kurzen Haaren und dem Flattergewand, von dem Thomas Mann erzählte.
Dompredigerin Cornelia Götz
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