09/07/2026 0 Kommentare
Nicht nur Schema F!
Nicht nur Schema F!
# Wort zum Alltag

Nicht nur Schema F!
Ruft der Papst bei der Kundenhotline seiner Bank an und wird abgewimmelt.
Nein, das ist kein Scherz, sondern genauso ist es Papst Leo XIV. passiert. Robert Francis Prevost, wie Papst Leo mit bürgerlichem Namen heißt, habe, so berichtet die New York Times, kurz nach Amtsantritt bei seiner Bank in Chicago angerufen. Er wollte seine Kundendaten ändern lassen. Prevost habe alle Sicherheitsfragen korrekt beantwortet, um sich als Kontoinhaber zu identifizieren, aber die Bankmitarbeiterin konnte ihm nicht weiterhelfen. Um Adresse und Telefonnummer zu ändern, erklärte sie, müsse Herr Prevost bitte persönlich am Bankschalter in Chicago vorbeikommen. Der freundliche Hinweis, das sei ihm leider beruflich nicht möglich, konnte die Frau nicht erweichen. Und als Prevost schließlich fragte, ob es etwas ändern würde, wenn er ihr sage, dass er Papst Leo sei, legte die Mitarbeiterin einfach auf.
Manchmal schreibt das Leben skurrile Geschichten. Und am meisten zu bedauern ist hier nicht der Papst, sondern die Bankmitarbeiterin am anderen Ende der Leitung. Sie hielt sich ja vermutlich nur an die Regeln ihrer Bank. Der Kunde muss sich in die Optionen sortieren, die für ihn vorgesehen sind: Drücken Sie die Eins für eine Überweisung! Wenn Sie der Papst sind, drücken Sie die Raute-Taste? Nein, diese Option ist leider nicht verfügbar!
Der Soziologe Hartmut Rosa erklärt Erlebnisse, wie sie Papst Leo und der Bankangestellten widerfahren sind, mit dem Unterschied zwischen einer Konstellation und einer Situation: In einer Situation begegnen sich Menschen als Handelnde. Sie können spontan und empathisch entscheiden. In einer Konstellation aber vollziehen sie nur noch festgelegte Regeln ohne eigenen Handlungsspielraum. Auch Jesus muss die Unterscheidung von Konstellationen und Situationen gekannt haben. Jedenfalls hat er das starre Einhalten von Regel und Geboten oft scharf kritisiert. Sein Grundsatz lautete: Regeln und Gesetze sind dazu da, dem Leben zu dienen. Wenn sie das Leben stattdessen erdrücken, haben sie ihren Sinn verloren. Oder anders gesagt: Gott will nicht, dass wir in unseren Alltags-Konstellationen erstarren. Er lädt uns dazu ein, achtsam aufeinander zu reagieren - nicht nach Schema F, sondern mit Herz und Verstand.
Wo könnte es gut sein, eine starre Regel aufzuweichen, um einem anderen das Leben etwas leichter zu machen? Ich wüsste wirklich zu gerne, was Papst Leo dazu sagt – zum Beispiel in einer Predigt über den modernen Menschen in der Kundenhotline seiner Bank.
Pfarrer Henning Böger
Kommentare