05/03/2026 0 Kommentare
Mitten in der Passionszeit
Mitten in der Passionszeit
# Wort zum Alltag

Mitten in der Passionszeit
Wir befinden uns mitten in der Passionszeit. Manche Menschen nehmen sich zu jener Zeit des Jahres vor, zu fasten und auf gewisse Dinge zu verzichten. Möglicherweise trifft das auch auf Sie zu.
Es handelt sich dabei um bewussten Verzicht, freiwillige Selbstbeschränkung. Das Fasten kann dazu beitragen, bewusster zu konsumieren. Es kann jedoch erhellend sein, die Hintergründe näher zu beleuchten:
Manchmal zeigt einem erst der Mangel oder Verzicht auf, was man davor eigentlich alles hatte.
Vielleicht empfinden wir den Verzicht als herausfordernd und sehnen uns danach, das Fasten wieder zu beenden.Vielleicht merken wir aber auch, dass wir auch ohne das, worauf wir verzichten, regulär auskommen würden. Dass es uns nicht bereichert hat. In jedem Fall aber reflektieren wir im Verzicht unser eigentliches Konsumverhalten.
Möglicherweise stellen wir fest, dass wir im Alltag sehr viel haben und es teils gar nicht wahrnehmen oder wertschätzen.
Psychologische Konzepte greifen diese potentielle Feststellung auf. In der Psychologie unterscheidet man zwischen dem Modus des Habens und dem Modus des Seins.
Der Modus des Habens ist gekennzeichnet vom Streben nach materiellen Besitzgütern sowie von unbedarftem Konsumverhalten.
Im Modus des Seins hingegen wenden Menschen sich bewusst Erlebnissen, innerer Fülle sowie wahren menschlichen Beziehungen zu; gänzlich entkoppelt von materiellen Faktoren.
Auch im biblischen Kontext finden wir Gedanken dazu. So formulierte der Apostel Paulus dazu einen Appell an seine christliche Gemeinde im 1. Korintherbrief, man solle haben, als hätte man nicht.
So kurz jene Formulierung ist, so tiefgründig und gehaltvoll ist sie. Haben, als hätte man nicht.
Dies meint nicht bloß ein Bewusstsein dafür, was man eigentlich hat; und Wertschätzung dessen.
Paulus ruft dazu auf, dass wir unser Herz nicht an materielle Dinge und Besitztümer hängen. Wir sollen demnach all das Materielle so betrachten, als wäre es nicht in unserem Besitz.
Es kann ohnehin illusionär sein, anzunehmen, wir könnten etwas besitzen. Zwar mag das auf den ersten Blick zutreffend sein. Doch in Wahrheit lässt sich das in umgekehrter Weise erleben.
Besitzbindet uns, wenn wir unser Herz daran hängen.
Wir sollen uns daher nach Paulus nicht abhängig machen von unserem Besitz. Das Materielle darf unser Gemüt nicht beeinflussen. Unser Herz darf nicht befangen werden von weltlichen Gütern.
Nähmen jene Platz ein in eines Menschen Herzen, so mangelte es um diesen Grad an Raum im Herzen für Mitmenschen und für den Herrn. Ist es befangen vom materiellem Besitz, so kann es verschlossen sein und uns wahren Begegnungen berauben.
Wer sich gedanklich befreit von weltlichen Gütern, der erfährt Reichtum. Nicht in einem finanziellen Verständnis, sondern innerlich. Liegt der Fokus nicht auf dem Haben, werden erheblich mehr wertvolle Momente erlebt. Diese waren zuvor auch da, doch sie wurden nicht in dieser Intensität wahrgenommen.
Somit kann diese Haltung uns behüten; davor, eine Entfremdung durch den materiellen Besitz zuerfahren. Sie bewahrt uns davor, Materiellem zu viel Bedeutung zuzuweisen, davon abhängig zu sein oder gar sich über Besitz zu definieren.
Wer jene Lebenshaltung annimmt, er ist im Modus des Seins. Das Herz unbefangen und offen für Mitmenschen und den Herrn. Diese Haltung bringt uns einander näher. Sie richtet uns auf. Unser Blick wird dadurch geleitet. Es eröffnet uns die Möglichkeit, uns auf das Wesentliche zu besinnen und uns der Beziehung zu Gott hinzuwenden.
Gott weiß, was wir wirklich benötigen. Er blickt uns bis tief ins Innerste und öffnet unsere Herzen. Gott erfüllt uns in einer unbegreiflichen Tiefe.
Wir können nun die Passionszeit als Anlass nehmen, zu prüfen, was wir eigentlich wirklich benötigen. Befreien wir unsere Herzen und halten sie offen für unsere Nächsten.
Besinnen wir uns auf das Wesentliche und widmen wir uns unserer Beziehung zu dem Herrn.
Lassen wir uns von ihm leiten, öffnen und aufrichten.
Felix Lenda
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