28/05/2026 0 Kommentare
Miteinander-Geist
Miteinander-Geist
# Wort zum Alltag

Miteinander-Geist
Sie sagt, das habe sie nicht länger hinnehmen wollen. Länger schon waren ihr in der Stadt die vielen älteren Menschen aufgefallen, die oft allein sind. Mal sitzen sie allein im Park, sie kaufen allein ein, gehen allein ins Café.
Dagegen müsste es etwas geben, dachte sie sich und erfand ein „Speed-Dating“ für ältere Menschen, also ein schnelles Kennenlernen bei kurzen Gesprächsimpulsen, Mindestalter: 60 Jahre.
Zum ersten Termin kamen zehn Menschen ins Café einer Begegnungsstätte, beim zweiten Mal waren es schon 25. Die Tendenz steigt weiter. Das Konzept ist schnell erklärt: Interessierte Menschen sitzen einander an Tischen paarweise gegenüber. Sie haben jeweils sechs Minuten Zeit, um einander ein wenig kennenzulernen. Mit einem Signal wechselt man den Gesprächspartner. Der Raum, so berichtete die Initiatoren, sei jedes Mal voller Gespräche. Wer teilnimmt, kann seine Kontaktdaten hinterlegen. Am Ende des kurzweiligen Kennenlernens können so Kontaktwünsche geäußert werden. Es geht dabei um gemeinsame Kino- und Konzertbesuche, um Spielerunden oder Ausflüge.
Eines vor allem zeichnet das Speed-Datings für ältere Menschen aus, so finde ich. Es ist der Miteinander-Geist. Niemand soll einsame Nachmittage oder Abende verbringen müssen. Alle sollen zumindest wissen, wen sie anrufen können für einen kurzen Plausch am Telefon oder eine Verabredung.
Auch das Pfingstfest, das wir gerade gefeiert haben, ist ein solches Speed-Dating aus Gottes Miteinander-Geist. Die Bibel erzählt es so: Die Freund*innen Jesu werden durch Gottes Geist zu neuem Miteinander aufgeweckt. Zuerst kümmern sie sich um sich selbst. Dann predigen sie anderen und entdecken das soziale Tun für Menschen, die sich selbst nicht mehr helfen können.
Niemand soll verlorengehen. Jeder wird gesucht, alle soll wissen, an wen sie sich wenden können. Glauben in dieser Welt ist immer Wort und Tat, Hören und Handeln. Aus dem Geist des Miteinander entsteht, was unsere Kirche bis heute auszeichnet. Hört einander zu, so klingt es deutlich im Pfingstrauschen. Und dann macht zusammen etwas los. Werft Mut durch die Luft. Fangt Zuversicht auf. Seid gemeinsam statt einsam!
Pfarrer Henning Böger
Kommentare