11/03/2026 0 Kommentare
Mit Gefühl zum Mitgefühl
Mit Gefühl zum Mitgefühl
# Wort zum Alltag

Mit Gefühl zum Mitgefühl
Auch in diesem Jahr gibt es die Fastenaktion der EKD „7 Wochen ohne“. Die aktuelle Fastenwoche steht unter der Überschrift „Mitgefühl“ oder auch „Mit Gefühl“. Sie ahnen, dass das keine Aufforderung sein soll, in der Fastenzeit auf Mitgefühl zu verzichten – ganz im Gegenteil. Es geht vielmehr darum, auf uns selbst zu schauen und zu prüfen, wo sich vielleicht harte Panzer aus Abgestumpftheit und Desinteresse in uns aufgebaut haben. Wo fühlen wir mit unseren Mitmenschen? Wie dicht lassen wir ihre Lebenssituation an uns heran? Wie gut können wir uns in sie hineinversetzen?
Mitgefühl ist angeboren aber auch erlernt. Der Apostel Paulus gibt uns eine ganz einfache Übung an die Hand, mit der wir unsere Fähigkeit, mitzufühlen, ausbauen können. Er schreibt an die Gemeinden in Rom: „Freut euch mit den Fröhlichen. Weint mit den Weinenden.“ Ja, wir müssen natürlich auch für uns selbst sorgen und darauf achten, nicht jedes Leid zu unserem eigenen zu machen. Dann kann die Last schnell zu groß werden. Nichtsdestotrotz ist es erstrebenswert, Mitleid empfinden zu können. Von der „Mitfreude“ kann es hingegen gar nicht genug geben.
Wenn uns gelingt, Mitleid zu empfinden, dann verändert sich etwas in uns. Wir rücken näher an die Menschen heran, denen es schlecht geht. Und wir entwickeln ein Gespür dafür, was andere verletzen könnte. Paulus schreibt kurz zuvor: „Eure Liebe soll aufrichtig sein.“ Er warnt vor Heuchelei und Opportunismus im Verhältnis untereinander. Es soll vielmehr geprägt sein von einer ehrlichen Zuneigung.
Ich glaube, so sehr viel mehr braucht es gar nicht, um gut durchs Leben zu kommen: Mitgefühl und Zuneigung. Diese beiden schließen im Übrigen auch aus, dass ich anderen Menschen vorsätzlich schade. Oder eine Nummer größer gedacht: Wären die Mächtigen dieser Welt mitfühlend und von ehrlicher Zuneigung ihren Mitmenschen gegenüber erfüllt, so wäre das das Ende einer jeden Diktatur und eines jeden Krieges.
Ein Beispiel par excellence für ein so gelebtes Leben hat uns Jesus Christus gegeben. Er hat sich mit den Fröhlichen gefreut und mit den Trauernden geweint und er musste lernen und am eigenen Leibe erfahren, wie grausam Menschen miteinander umzugehen in der Lage sind.
Wir schauen auf Jesu Leben, Leiden und Sterben in diesen Wochen vor Ostern. Und vielleicht überlegen wir mal, wo wir noch eine Schippe drauf tun können und trauen uns, ein wenig mehr zu zeigen an Mitgefühl und aufrichtiger Zuneigung – mit Gottes Hilfe und Jesu Namen. Amen.
Prädikant Heiko Frubrich
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