Konfirmation

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# Predigt

Konfirmation

Auf dem Kajütentisch unseres Segelschiffes lag, wenn wir in der Bibel gelesen haben, das blaue Tuch dort. Es symbolisiert einen Fluss, den Fluss der Geschichte Gottes mit uns Menschen. Alle stehen darin, die vor uns waren: Eltern, Großeltern und Paten und ihr habt an einem Abend in irgendeinem kleinen niederländischen Hafen noch etliche Namen hinzugefügt: Menschen, die Euch beeindruckt haben - Religionslehrer oder Elke Lindemann, Martin Luther King, Johann Sebastian Bach und Marianne Edge Buddy auf dem Kirchentag. Später habe ich diese Worte dort dazugelegt: Strömungen, starke Tendenzen, die wir in den Geschichten der Bibel immer wieder finden. Ihr habt mit einem Kiesel markiert, wo damals Eure Fragen an Gott mit Blick auf euer Leben und auf unsere Welt am deutlichsten drängten: Berufung? Neuanfang? Gerechtigkeit und Frieden? 
Und schließlich haben wir den Fluss ins Watt gelegt. Wir standen drumherum und ich habe Eure Namen genannt und dann seid auch ihr in den Fluss gestiegen. Über uns war nur Himmel. Dem waren wir ganz nah. Es gab nichts Wichtiges zwischen Gott und uns, außer der Luft, die uns verbindet, die wir alle atmen, dem Lebensgeist, den wir  in uns spüren. Und hinter uns lag das Schiff im Watt. Kein Wasser weit und breit. Uns allen war klar: so würde es nicht bleiben. Nicht so klar und einfach. Aber auch nicht so abgeschnitten von der Welt. Wir werden mit dem Schiff wieder losfahren, an Land gehen und nach Hause kommen. Hier stellt sich die Frage danach, wie wir als Christinnen und Christen leben können, ganz anders. Komplexer und schwieriger. 
Hier sind viele Menschen um uns herum, die eigene Interessen und Themen haben, die uns das Leben manchmal schwer machen; hier gelten Gesetze und Mächte, die manchmal viel stärker an uns zerren als die Strömungen von denen Gottes Wort erzählt. Ich will Euch heute eine Geschichte mitgeben, die ihr vielleicht schon aus der Kinderbibel kennt - und ihr werdet ahnen, das jedenfalls habe ich versucht, Euch zu zeigen, dass es nie die eine Art gibt, sie zu lesen. Sondern, dass es immer lohnt, zu fragen: was höre ich daraus jetzt?Ihr habt sie vorhin gehört.Vielleicht. Vielleicht ist die Lesung auch an Euch vorbeigeflogen, weil ihr mit den Gedanken woanders wart. Das ist keine Schande. Manchmal sind wir voller eigener Themen und deshalb verstopft. Manchmal sind wir bockig und wollen nicht hören, was alles mit uns zu tun hat. Ich glaube inzwischen, dass Gottes Worte uns sowieso finden, wenn er das will und es lohnt, danach zu suchen, was er uns genau heute zeigen will. Seine Botschaft ist nicht auf die Weise richtig wie mathematische Formeln, sondern lebendig und unvermutet wie die Liebe.
Zachäus also. Die Geschichte von dem kleinen Zöllner, dem kurz gewachsenen Steuereintreiber, der sich am Geld anderer bereicherte und auf einen Bum kletterte, damit er Jesus sehen kann. Aber dann sieht Jesus ihn und kommt in sein Haus und kümmert sich einmal mehr nicht darum, ob der Mensch für den er sich jetzt interessiert, ein angesehenes, anständiges und ehrbares Mitglied der Gesellschaft ist. Er ergreift Partei für den, mit dem niemand etwas zu tun haben will und das verändert das Leben des Zachäus radikal. So kann man es hören und Wichtiges festhalten:  Gott richtet sich nicht nach unserem Urteil. Der Unterschied zwischen arm und reich ist kein Naturgesetz und für alle Zeiten festgeschrieben. Gerechtigkeit ist möglich. 
Aber es gibt noch viel mehr in diesen wenigen Versen:Zachäus ist klein. Er weiß es. Und er fühlt sich so.Er ist keiner, der anderen auffällt, weil er groß gewachsen ist oder eine charismatische Ausstrahlung hat. Er ist keiner, der mit irgendeiner besonderen Begabung wuchern kann. Er ist keiner, der den Mut hat, auf Geld zu verzichten, das man nur auf Kosten anderer verdienen kann. Und inzwischen ist er so verfitzt mit dem System der Mächtigen - damals war es die römische Besatzungsmacht; heute sind es andere Strukturen, die uns fesseln - dass er sich auch deshalb klein fühlt, unbedeutend, nicht wahrnehmbar. Was kann der schon bewirken?Wenn wir uns so einfühlen, ist der Schritt nicht weit, zu merken, dass das auch in uns Resonanzräume hat, dass auch wir uns manchmal am Rand, ohnmächtig, unnütz fühlen. Dann scheint es so, als ob alle andern glücklich, erfolgreich, schön und mit tollen Menschen umgeben sind - nur ich nicht…Dieser Zachäus jedenfalls, dessen Name überraschenderweise bedeutet: „rein dastehen, hell und schuldlos sein“, der will unbedingt teilhaben an dem, was die Menschen um ihn herum begeistert, bewegt und antreibt. Er will diesen einen, Jesus, sehen. Und er rechnet nicht damit, dass ihm jemand Platz machen würde, dass irgendwer unvermutet freundlich zu ihm ist. Er geht davon aus, dass er das eh nicht verdient hat. Aber er resigniert nicht, sondern denkt, nach, checkt seine Möglichkeiten, läuft vornweg und klettert auf einen Baum. Es ist nicht irgendein Baum, sondern ein Maulbeerbaum, einer der ganz tief wurzelt - schon das ist ein schönes Bild. Und es ist ein Baum, der schon ganz nah am Boden breite Äste hat. Man kann also leicht hinaufklettern und wird zwischen den vielen Ästen und Blättern auch nicht sofort gesehen. Zachäus sitzt also nicht weithin sichtbar auf einem Mast - sondern zwischen vielen Blättern verborgen. Er versteckt sich regelrecht. Er will nur beobachten, am Rand bleiben, lieber nicht in den Fluss steigen. 
Aber Jesus sieht ihn trotzdem. Er bleibt stehen und sagt ganz schlicht: Steig da runter! Steig runter von dem Berg der Gründe, die du dir zurechtgelegt hast, warum es mit dir nur so und nicht anders sein kann. Steig runter von dem hohen Roß, dir stünde dieses oder jenes zu oder du wüsstest es besser. Komm raus und stell dich auf deine Füße. Sei, die du bist. Sei, der du bist. Vielleicht klein von Wuchs. Egal. Vielleicht keine Heldin. Egal. Vielleicht ein bisschen kleinmütig und angepasst. Egal. Vielleicht ein bisschen zu zergrübelt. Egal. Mir bist du genau recht. Und dann lass uns gehen - ich möchte Dich besuchen und dein Leben teilen, genau bei Dir am Tisch sitzen, mich genau in deine Lebenserinnerung eingraben.Genau Dich meine ich!Die Reaktionen der anderen darauf sind nicht eben freundlich. Warum der? Ja, in unserer Welt gibt es viel Neid, Missgunst, Verständnislosigkeit. Auch wir sind nicht frei davon. Es wäre eine andere Predigt, warum wir, die wir bis hierher mitgegangenen sind, so oft nichts bergreifem, wenn Gott sich anders entscheidet als wir dachten. Heute geht es mir nur um Zachäus und Euch. Denn Zachäus Leben verändert sich radikal, weil Gott für ihn Partei ergriffen und ihn gerufen hat. Zachäus beginnt nochmal von vorn. Er verteilt seinen Besitz, gibt zurück, was ihm nicht gehört, erlebt und fördert Gerechtigkeit. Nichts davon tut er, damit Jesus ihn sieht, sondern weil er ihn sieht. Euch sieht er auch. 
Auch Euch hat er gefunden, als ihr nach Konfiramtionssprüchen gesucht habt:Und deswegen glaube ich: das ist ein Tag voller Neuanfang, Berufung und Segen, denn ihr könnt mit Eurem Gott über Mauern springen - so wie Simons Konfirmationsspruch heißt - und Böses mit Guten überwinden (Max und Lisa). Er wird euch behüten (Nora) und seine Hände über Euch halten  (Amelia). Ihr müsst Euch nicht fürchten (Helene). Im Gegenteil: Ihr könnt mutig und stark sein (Juliane und Eve) und Euch für die Schwachen einsetzen (Paula), denn ihr seid das Licht der Welt  (Tabea). 
Amen.


Dompredigerin Cornelia Götz

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