07/03/2026 0 Kommentare
Gottes Wikipedia
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# Wort zum Alltag

Gottes Wikipedia
Bei der Vorbereitung meiner Andachten schaue ich immer gerne mal im Internet nach, ob der Tag der Andacht ein in irgendeiner Weise historisch besonderer Tag ist. Wikipedia ist dabei eine wertvolle Hilfe. Da erfährt man nach Eingabe des Datums, wer an diesem Tag geboren oder gestorben ist oder ob es bemerkenswerte Ereignisse gab aus Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur oder Religion. Eine Rubrik ist dabei überschrieben mit „Katastrophen“.
Für den heutigen Tag ist da zum Beispiel vermerkt, dass am 6. März 1987 die Kanalfähre „Herold of Free Enterprise“ kenterte, und 193 Menschen ertranken. Oder dass am 6. März 2003 in Algerien eine Passagiermaschine nach dem Start abstürzte, wobei 102 Menschen ihr Leben verloren. Und unter der Rubrik „Katastrophen“ steht dann immer folgender Satz, über den ich regelmäßig stolpere: „Kleinere Unglücksfälle sind in den Unterartikeln von Katastrophe und in der Liste von Katastrophen aufgeführt.“
Ich verstehe was damit gesagt werden soll: Nicht jeder herabgefallene Blumentopf, der irgendjemandem auf den Kopf gefallen ist, kann hier aufgelistet werden. Doch jede und jeder von uns kann im Leben in Situationen geraten, die dann auf einmal zur größten denkbaren Katastrophe überhaupt werden. Der Tod einen lieben und geliebten Menschen, eine schwere Krankheit, der Verlust des Arbeitsplatzes und damit der wirtschaftlichen Existenzbasis, oder, oder, oder.
In unserem Wikipedia werden wir derartiges kaum wiederfinden, weil es eben nicht von übergreifendem Interesse ist. In Gottes Wikipedia steht es allerdings ganz sicher, denn der interessiert sich auch und vielleicht sogar ganz besonders für die vermeintlich kleinen und ganz persönlichen Katastrophen. Christus sagt: „Euch aber habe ich meine Freunde genannt.“ Und das meint er ernst. Christus wünscht sich eine von Freundschaft und Liebe geprägte Beziehung zu jeder und jedem Einzelnen von uns – zu Ihnen und Ihnen und Dir und mir. Da geht nichts drüber.
„Seh ich deine Himmel, die Werke deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als dich selbst, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.“ So heißt es im 8. Psalm. Und ja, die Frage ist berechtigt: Was ist der Mensch? In Gottes Augen vor allen Dingen eines: unermesslich wertvoll. Dafür können wir dankbar sein – von Herzen. Amen.
Prädikant Heiko Frubrich
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