13/03/2026 0 Kommentare
Holz auf Jesu Schulter
Holz auf Jesu Schulter
# Wort zum Alltag

Holz auf Jesu Schulter
Die Passionszeit hat eine ganz besondere Atmosphäre. Das mag auch daran liegen, dass sie, anders als der Advent, noch deutlicher als Fastenzeit erlebt wird. Viele Menschen, auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, verzichten ganz bewußt auf etwas – weit vorne liegen dabei Süßigkeiten.
Diese besondere Stimmung dieser Tage und Wochen spiegelt sich auch in den Liedern wieder, die wir in unseren Gottesdiensten singen. Eines der moderneren wurde von Jürgen Henkys geschrieben: Holz auf Jesu Schulter. Es ist zwar ein Passionslied, doch es lässt uns nicht als hilflose Beobachter auf den leiden Christus schauen. Vielmehr leitet es uns zu Dankbarkeit und Hoffnung.
Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. So beginnt die erste Strophe. Jede und jeder hat sein Kreuz zu tragen, so sagen wir auch heute noch, wenn wir ausdrücken wollen, dass es in jedem Leben immer auch schwere Zeiten gibt. In dieser Denke steht das Kreuz für Schmerz, Leid und Tod und es ist in dieser abstoßenden Gestalt in der Tat von der Welt verflucht. Christi Kreuz ist auch so – ein Folter- und Hinrichtungsinstrument wie es grausamer kaum sein könnte. Doch es wandelt sich. Das Kreuz wird zum Baum des Lebens. Und die gute Frucht, die es bringt, ist die Vergebung aller unserer Sünden und schlussendlich das ewige Leben im Licht des Ostermorgens.
Auch die weiteren Strophen haben diesen Hoffnungscharakter. Da geht es um Frieden, den Gott uns schenken kann, um Gottes strenge Güte und sein gnädiges Gericht und um die Frage, warum unsere Zweifel so laut sind. Ja, gerade in unseren Tagen passiert vieles auf dieser Welt, das uns Angst machen kann. „Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du?, ist der berechtigte Einwand des Liedtextes. Und er hat recht, denn als Christenmenschen dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott es am Ende gutmachen wird – mit uns genauso wie mit seinem Sohn.
Jede Strophe endet mit einem Refrain und der lautet: „Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.“ Es ist eine doppelte Bitte, streng genommen sogar eine dreifache. Kyrie eleison, Herr, erbarme dich, ist ein Gebetsruf, der ein fester Bestandteil unserer gottesdienstlichen Liturgie ist. Gott möge sich erbarmen und uns nicht aus dem Blick verlieren. Sieh wohin wir gehen. Und es folgt unsere persönliche Bitte, das Osterwunder auch an uns zu vollziehen. Ruf auch uns aus den Toten und lass uns auferstehen.
Doch ich höre in dieser Bitte mehr als das. Für mich ist es auch Ausdruck unseres Wunsches, bereits im Hier und Jetzt ins Leben gerufen zu werden, in ein neues und anderes Leben, in dem Gott einen Platz an unserer Seite hat. Es klingt für mich wie eine Bitte um einen festen und lebendigen Glauben, der uns besser und erfüllter auch durch unser irdisches Leben gehen lässt.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehen! Möge Gott es hören und sich unser freundlich annehmen. In Jesu Namen. Amen.
Prädikant Heiko Frubrich
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