Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

# Wort zum Alltag

Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

Dieser Vers steht am Ende von Psalm 27. Der ganze Psalm ist geprägt von einem tiefen Vertrauen auf Gott, aber auch von der Erfahrung von Bedrohung und Angst. Der Beter kennt nicht nur die hellen Seiten des Glaubens. Er weiß, was Unsicherheit bedeutet. Er kennt Feinde, Sorgen und die Frage, wie es weitergehen soll. Und dennoch endet er nicht mit Klage, sondern mit einer Ermutigung.
„Harre des Herrn!“ Das Wort „harren“ klingt heute etwas altmodisch. Gemeint ist mehr als bloßes Warten. Es ist ein hoffnungsvolles Erwarten. Ein Warten, das darauf vertraut, dass Gott handelt. Nicht irgendwann vielleicht, sondern ganz gewiss zu seiner Zeit.
Das unterscheidet christliche Hoffnung von bloßem Optimismus. Optimismus sagt: Es wird schon irgendwie gut werden. Der Glaube sagt: Gott ist da, auch wenn ich den Weg noch nicht erkennen kann. Seine Gegenwart hängt nicht davon ab, ob ich seine Pläne verstehe.
Gerade am Abend wird uns bewusst, wie begrenzt unsere Möglichkeiten sind. Der Tag liegt hinter uns. Wir können nichts mehr ändern an dem, was geschehen ist. Vielleicht denken wir an Worte, die wir gesagt haben. An Aufgaben, die unerledigt geblieben sind. An Sorgen, die wir mit in die Nacht nehmen.
Der Psalm lädt uns ein, diese Lasten nicht allein zu tragen. Wir dürfen sie Gott anvertrauen. Wir dürfen loslassen, was wir nicht ändern können, und darauf vertrauen, dass Gott weiterwirkt, auch wenn wir schlafen.
Bemerkenswert ist, dass der Psalm das Warten mit Mut verbindet: „Sei getrost und unverzagt.“ Offenbar bedeutet Vertrauen auf Gott nicht, dass alle Schwierigkeiten verschwinden. Aber es bedeutet, dass wir ihnen nicht allein gegenüberstehen. Gottes Nähe schenkt Kraft. Sie gibt Halt, wenn die Umstände unsicher bleiben.
Vielleicht gibt es in Ihrem Leben gerade eine Situation, in der Sie auf Gottes Antwort warten. Vielleicht beten Sie schon lange für einen Menschen. Vielleicht suchen Sie Orientierung für eine Entscheidung. Vielleicht tragen Sie eine Sorge mit sich herum, die immer wiederkehrt.
Dann darf dieser Vers heute zu einer persönlichen Zusage werden: Du musst nicht alles selbst lösen. Du musst nicht alle Antworten kennen. Du darfst warten – nicht resigniert, sondern voller Vertrauen. Denn Gott hat dich nicht aus den Augen verloren.
Der Psalm wiederholt die Aufforderung: „Harre des Herrn!“ Als wolle er sagen: Bleib dabei. Gib die Hoffnung nicht auf. Halte dich an Gottes Verheißungen fest. Seine Zeit ist oft anders als unsere Zeit, aber seine Treue bleibt bestehen.
So dürfen wir diesen Tag getrost und unverzagt beschließen im Vertrauen auf den Gott, der gestern derselbe war, heute derselbe ist und morgen derselbe sein wird. Er geht mit uns an diesem Abend und begleitet uns in den neuen Tag.


Prädikant Marc Bühner

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