Gibt es ein Recht auf Glück?

Gibt es ein Recht auf Glück?

Gibt es ein Recht auf Glück?

# Wort zum Alltag

Gibt es ein Recht auf Glück?

Es kommt immer  wieder vor, das mir Menschen begegnen, die davon sprechen, dass sie unglücklich sind. Ja, sogar das sie es nicht in Ordnung finden, dass sie noch immer auf der Suche nach dem „Großen Glück“ seien und es ihnen aus ihrer Sicht zusteht, dass sich das Glück ohne ihr Zutun zu ihnen gesellt und auch an ihrer Seite bleibt. Solche Begegnungen haben dazu geführt, dass ich mich gefragt habe, was ist dieses Glück?
Wenn Menschen nach ihren Lebenszielen gefragt werden, nennen sie oft Reichtum und Erfolg als Voraussetzung für ein glückliches Leben. Erfolg im Leben wird an Gehalt, Titeln, Besitz und Anerkennung gemessen. Täglich sind wir auf unterschiedlichen Kanälen Bildern glücklicher Menschen mit Schönheit und Besitz und anderer „Heilsversprechen“ ausgesetzt. Solche Botschaften können uns das Gefühl geben, dass wir der zu erstrebenden Wirklichkeit nicht entsprechen. Zwischen unseren Wünschen und dem tatsächlichen Lebenszustand, den wir angeblich für ein glückliches Leben brauchenn, gibt es eine große Kluft. Und manche Menschen macht es unglücklich, dass sie diesen von außen, von anderen vorgegebenen Zustand nicht oder nur teilweise erreichen.
Ich habe mir die Frage gestellt, wie war das eigentlich „früher“. Als es nur sehr, sehr wenig Freizeit und beinahe keine Berücksichtigung der eigenen Bedürfnisse und Wünsche gab.
Deshalb habe ich das Buch  „100 Jahre Leben“, welche Werte wirklich zählen, von Kerstin Schweighöfer gelesen. Darin kommen 10 Menschen zu Wort, die  zum Zeitpunkt der Gespräche alle jeweils ein Mindestalter von 100 Jahren hatten. Sie waren Bäuerin, Künstlerin, Priester, Geschäftsfrau, von Cannes über München, Jena und Dortmund bis hin nach London. Auch in diesen Gesprächen ging es um die Frage, wie gelingt ein glückliches Leben.
Alle in diesen Gesprächen  Befragten sind beim Rückblick auf ihre vergangenen 100 Lebensjahre zu dem Schluss gekommen, dass der Sinn des Lebens ihrer Ansicht nach nicht darin bestehen würde glücklich zu sein. Diesen Wunsch halten sie für einen Irrtum.
Sondern es vielmehr wichtig sei, die Herausforderungen, denen wir uns in unserer jeweiligen Leben stellen müssen, anzunehmen, zu bearbeiten und dennoch zufrieden zu sein. Sie alle halten Zufriedenheit für das höchste Gut im Leben. Denn Zufriedenheit ist ein dauerhafter Gefühlszustand, der eintritt, wenn Erwartungen und Ziele mit der Realität übereinstimmen. Sie gilt als kurzes, stabiles Glück, basierend auf Dankbarkeit, Selbstannahme und geringeren Ansprüchen.
In diesem Sinn bleiben und werden wir glücklich.
Amen.


Martina Raschdorf-Jahn, Domkirchenvorstand

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