Fronleichnam

Fronleichnam

Fronleichnam

# Wort zum Alltag

Fronleichnam

Meine Nicht ist zu Besuch. Sie hat schulfrei ? Wegen Fronleichnam.
Ein wunderliches Wort. Vorne die Fron. Wie bei der Fronarbeit, die manchmal auch mit „h“ geschrieben wird und sicherlich keinen froh gemacht hat. Fron ist ein mittelhochdeutsches Wort für unliebsame erzwungene Arbeit, für den Herrn, der sie einfordern kann und schließlich ein sehr intensiver Zugehörigkeitsbegriff zu eben diesem Herrn. Hinten der Leichnam war nicht immer tot. Er hat sich aus dem „licham“ herausentwickelt, dem Leib. Meine Nichte hat also wegen dem Fest des Leibs des Herrn frei, des Leibes Christi.
Wir hier in der katholischen Diaspora gehen arbeiten. Denn Fronleichnam ist ganz und gar katholisch. Darum werden unsere Geschwister in Aegidien dort nachher – um halb sieben – eine Heilige Messe feiern und im Anschluss mit einer feierlichen Prozession zum Prozessionsaltar am Schloss ziehen. Es wird die Eucharistie gefeiert, das Abendmahl und damit auch die Realpräsenz Jesu Christi in der Hostie, im Brot. An diesem Punkt unterscheiden sich die Konfessionen. Katholiken bekennen die wesensmäßige Verwandlung der Gaben in Leib und Blut. Lutheraner denken die reale Präsenz, die reale Gegenwart Christi in und unter Brot und Wein, die aber Brot und Wein bleiben, sich verwandeln. Reformierte schließlich erinnern die Bedeutung der Gaben. Katholische Liturgie macht das unmittelbar erlebbar.
Das Fest heute gibt es bereits seit dem 13. Jahrhundert. Seit dieser Zeit liegt es auf dem zweiten Donnerstag nach Pfingsten und wird mit Prozessionen begangen. Dann zieht die Gemeinde mit ihrer Monstranz, also einem Gefäß für Hostien durch die Straßen, die früher für diesen Tag mit viel Aufwand geschmückt wurden. In der Hostie, also mit dem anwesenden Leib Jesu feiert man seine Gegenwart und das bedeutet es auch, wenn Christ*innen heute Abend zum Schlossplatz ziehen – es ist eine Vergewisserung: Gott ist da, mitten unter uns. Mitten in der Stadt. An der Hostie kann man es sehen.
Und so gesehen, könnte das Fast auch mit h – froh – geschrieben werden.


Dompredigerin Cornelia Götz

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