22/04/2026 0 Kommentare
Frieden ist unser Job!
Frieden ist unser Job!
# Wort zum Alltag

Frieden ist unser Job!
Ich war mal wieder ein paar Tage auf Helgoland. Am vergangenen Samstag haben wir dort einen eindrucksvollen ökumenischen Gottesdienst gefeiert. Der begann um 11:45 Uhr. Herausfordernd war, dass wir sehr pünktlich kurz vor 12:05 mit der Predigt fertig sein mussten, denn um 12:05 Uhr begann die Helgolandglocke zu läuten – das passiert nur an ganz wenigen Tagen im Jahr.
Der Grund am vergangenen Samstag war das Gedenken an die Bombardierung der Insel Helgoland am 18. April 1945. Knapp 1000 Bomber warfen an diesem Mittwoch um kurz nach 12:00 Uhr mittags ihre tödliche Fracht über der Insel ab und zerstören in noch nicht einmal zwei Stunden alles, was den Krieg bis dahin überstanden hatte. 285 Menschen starben, darunter viele Soldaten.
Drei Wochen später war der Krieg zu Ende. Das Opfer, das die Insel Helgoland und vor allem die Menschen, die dort gelebt haben, bringen mussten, wäre für Deutschlands Kapitulation nicht mehr nötig gewesen und so wird auch heute noch immer die Frage laut: Hätten sich die Briten diesen Angriff also nicht auch sparen können?
Ja, diese Frage kann man stellen, aber sie führt zu nichts. Krieg macht niemals Sinn. Das zeigt jedes einzelne Beispiel, auch aus der aktuellen Zeit. Und dennoch sei eine Anmerkung erlaubt: Bevor die erste britische Bombe über Helgoland abgeworfen wurde, hatten mehrere Hunderttausend deutsche Bomben englische Städte in Schutt und Asche gelegt, darunter Coventry.
Und eine weitere Frage wird oft gestellt, die aber noch viel weniger zu etwas führt. Sie lautet: Warum hat Gott das zugelassen? Gott hat niemals einen Krieg angefangen. Das waren Menschen – ausnahmslos. Es waren Menschen, die Jesu Worte in den Wind geschlagen haben und auch weiterhin in den Wind schlagen:
Wer „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ für sich verinnerlicht, der fängt keine Kriege an. Wer zumindest ernsthaft versucht, seine Feinde zu lieben und für seine Verfolger zu beten, der greift nicht zu Bomben, Panzern und Raketen. Und wer Jesu Botschaft an sich heranlässt, der wird demütig und reißt keine unschuldigen Menschen ins Verderben.
Doch obwohl das so ist, gehen in diesem Moment das sinnlose Sterben und die Zerstörung von Lebensplänen und Lebenshoffnungen weiter – in der Ukraine und in Israel und im Iran und in Palästina und im Jemen, und, und, und. Aus der Geschichte zu lernen, war noch nie eine Königsdisziplin von uns Menschen. Aber all das so hinzunehmen und zu resignieren ist doch eindeutig auch der falsche Weg.
Und es gibt ja Belege dafür, dass wir Menschen in der Lage sind, friedlich miteinander zu leben: Europa ist ein gutes Beispiel. Eine Gruppe demokratischer Staaten, die über Jahrhunderte immer wieder Kriege gegeneinander geführt haben, schließen sich zusammen, um die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Ja, dieses Europa hat Fehler und Defizite, ohne Frage. Aber es hat uns in Deutschland und vielen anderen Ländern auch 80 Jahre Frieden beschert.
Jesus Christus sagt: „Euren Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“ Ja, sein Friede, Gottes Friede, ist größer als unsere menschliche Vernunft. Aber für unseren Frieden hier auf der Erde sind wir Menschen zuständig und niemand sonst. Wir haben in allem, was ihm dient, Gott ganz sicher an unserer Seite. Doch den Frieden tun, müssen wir. In Jesu Namen. Amen.
Prädikant Heiko Frubrich
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