23/06/2026 0 Kommentare
Die zwei reisenden Engel...
Die zwei reisenden Engel...
# Wort zum Alltag

Die zwei reisenden Engel...
„Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode erretten.“
(Psalm 68, 21)
Zwei reisende Engel machten einmal Halt, um im Haus einer wohlhabenden Familie zu übernachten. Die Familie war sehr unhöflich und verweigerte den Engeln doch tatsächlich, im Gästezimmer des Haupthauses zu schlafen. Stattdessen wies man den beiden Engeln einen Platz im kalten Keller zu. Als sie sich auf dem harten, feuchten Boden ausstreckten, sah der ältere Engel ein Loch in der Wand und reparierte es. Als der jüngere Engel kopfschüttelnd fragte, warum, antwortete der ältere Engel nur sanft: "Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."
In der nächsten Nacht rasteten die beiden im Haus einer sehr armen, aber gastfreundlichen Bauernfamilie. Nachdem der Bauer und seine kleine Familie das wenige Essen, das sie hatten, mit ihnen geteilt hatten, ließen sie die Engel in ihrem Bett schlafen. Als die Sonne am nächsten Tag am Himmel aufging, fanden die Engel den Bauern und seine Frau in Tränen aufgelöst. Ihre einzige Kuh, deren Milch ihr alleiniges Einkommen gewesen war, lag tot auf dem Feld. Der jüngere Engel wurde wütend und fragte den älteren Engel, wie er das habe geschehen lassen können? "Der erste Mann hatte alles, trotzdem halfst du ihm", meinte er anklagend. "Die zweite Familie hatte wenig, und du ließest zu, dass die Kuh stirbt." "Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen", sagte der ältere Engel geduldig. "Als wir im kalten Keller des Haupthauses ruhten, bemerkte ich, dass viel Gold in diesem Loch in der Wand steckte. Weil der Eigentümer eh so von Gier besessen war und sein Glück nicht teilen wollte, versiegelte ich die Wand, so dass er das Gold nicht finden konnte. Als wir dann in der letzten Nacht im Bett des Bauern schliefen, kam der Engel des Todes, um seine Frau zu holen. Ich gab ihm stattdessen die Kuh. Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."
Diese bekannte Geschichte von den „Zwei reisenden Engeln“ erzählt von Gottes verborgenem Handeln und erinnert uns an die Wahrheit aus Psalm 68: „Wir haben einen Gott, der da hilft.“
Gottes Hilfe geschieht nicht immer so, wie wir sie erwarten. Oft wünschen wir uns eine sofort sichtbare Lösung, ein offensichtliches Wunder oder eine Erklärung für das, was geschieht. Doch Gottes Handeln bleibt uns mit unter verborgen. Erst später erkennen wir vielleicht, wovor er uns bewahrt hat oder welchen Weg er für uns geöffnet hat.
Besonders der zweite Teil dieses Psalmwortes „Den Herrn, der vom Tode erretten“, erhält in der Geschichte von den beiden Engeln ein besonderes Gewicht. Die arme Familie sah am Morgen nur den Verlust ihrer Kuh. Sie wusste nicht, dass Gott in der Nacht Leben bewahrt hatte. Was wie ein Zeichen von Verlassenheit aussah, war in Wahrheit Ausdruck göttlicher Fürsorge.
Auch wir erleben Situationen, in denen wir Gottes Hilfe nicht erkennen können. Wir sehen die verschlossene Tür, die Enttäuschung, den Verlust oder die Krankheit. Doch Gott sieht weiter als wir. Manchmal bewahrt er uns vor Gefahren, die wir nie kennenlernen. Manchmal trägt er uns durch schwere Zeiten hindurch, ohne dass wir seine Gegenwart sofort spüren. Aber sein Wesen bleibt dasselbe: Er ist ein Gott, der hilft, rettet und Leben schenkt.'
Die Geschichte der reisenden Engel lädt uns deshalb ein, nicht nur auf das Sichtbare zu schauen. Sie ermutigt uns, darauf zu vertrauen, dass Gottes Hand auch dort wirkt, wo wir sie nicht erkennen können. Denn unser Herr ist ein Gott, der hilft – und dessen Möglichkeiten weit über das hinausgehen, was wir sehen und verstehen.
Prädikant Marc Bühner
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