09/07/2026 0 Kommentare
Ausgang und Eingang
Ausgang und Eingang
# Wort zum Alltag

Ausgang und Eingang
Manchmal – eigentlich viel seltener als es wahrscheinlich nötig wäre – werden wir Pfarrerinnen und Pfarrer zu einer Aussegnung gerufen. Ein Mensch ist gestorben und jetzt braucht es einen Segen – gleich.
Wenn der Tod in das Leben einbricht, selbst wenn man lange darauf gewartet und damit gerechnet hat – ist das immer erschütternd und unbegreiflich, bleibt für einen Moment die Zeit stehen.
Drinnen. Und draußen geht alles weiter – ganz normal. Ein Fahrrad klingelt, Kinder lärmen, irgendwo rattert die Straßenbahn. Alltagsgeräusche.
Wir haben vergessen, dass das Sterben dazugehört. Zum Leben. Zum Alltag in unserer Stadt und unserer Straße.
Auch ich muss mich unterbrechen, liegenlassen, was ich gerade tue. Auch für mich ist das immer eine Zäsur, wenn ich mich direkt und sofort zum Sterbebett aufmache.
Dort steht manchmal das Fenster weit offen. „Die Seele muss ja raus“. So war das doch, oder? Das erinnern Menschen; nur Worte fehlen. Die bringe ich mit. Sie sind uralt.
Und dann stehen wir, halten uns an den Händen und meine Hand liegt auf der Stirn der Gestorbenen und wir bergen uns in den Worten des 121. Psalms wie die, die vor uns waren und am Totenbett standen: „Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!“
Ich habe einige Jahre gebraucht, um diesen Vers richtig zu hören.
Ich bin ein Menschenkind und irgendwie immer noch eine Weihnachtschristin und also höre ich und habe es wahrscheinlich auch viele Male falschrum so gesagt: „Der Herr segne deinen Eingang und Ausgang.“
Gott segne dein Kommen in unsere Welt und dein Gehen. Deinen Anfang, dein Werden, deine Geburt und dann das Loslassen und Sterben müssen.
Es schien mir so naheliegend und passend zu unserem Koordinatensystem.
Unser eines Leben.
Aber das ist nicht gemeint.
Vielmehr: Wir sind nur Gast auf Erden, geborgen in Gottes Ewigkeit oder – wie es im 139. Psalm heißt: „Deine Augen sahen mich als ich noch nicht bereitet war und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.“
Von dort gehen wir aus. Mit Gottes Segen.
Dorthin kehren zurück. Mit Gottes Segen.
„Ausgang und Eingang, Anfang und Ende, legen bei Dir, Gott, füll Du uns die Hände.“
Dompredigerin Cornelia Götz
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