08/06/2026 0 Kommentare
Auf dein Wort hin...
Auf dein Wort hin...
# Wort zum Alltag

Auf dein Wort hin...
„Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.“
(Lukas 5,5)
Manchmal gibt es Tage, an denen nichts gelingt. Wir bemühen uns, setzen unsere Kraft ein, geben unser Bestes – und am Ende stehen wir mit leeren Händen da. Vielleicht kennen wir das aus dem Beruf, aus der Familie oder auch aus unserem Glaubensleben. Wir investieren Zeit und Energie, aber der erhoffte Erfolg bleibt aus.
Genau in einer solchen Situation begegnen wir Simon Petrus. Die ganze Nacht war er mit seinen Kollegen auf dem See unterwegs. Sie waren erfahrene Fischer. Sie kannten die besten Plätze und die richtige Zeit zum Fischen. Doch in dieser Nacht hatten sie nichts gefangen. Gar nichts. Müde und enttäuscht waren sie bereits dabei, ihre Netze zu reinigen und den Arbeitstag abzuschließen. Da tritt Jesus auf Petrus zu und fordert ihn auf, noch einmal hinauszufahren und die Netze auszuwerfen.
Menschlich betrachtet spricht alles dagegen. Petrus könnte viele gute Gründe nennen, warum das keinen Sinn ergibt. Die Nacht ist vorbei. Die Fische sind nicht da. Die Erfahrung sagt: Es lohnt sich nicht.
Und genau deshalb ist seine Antwort so bemerkenswert: „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.“
Petrus verschweigt seine Enttäuschung nicht. Er spricht offen aus, was geschehen ist. Er sagt nicht: „Natürlich, Herr, das wird bestimmt funktionieren.“ Nein, er berichtet ehrlich von seinem Misserfolg. Aber er bleibt dort nicht stehen. Zwischen der Erfahrung und dem neuen Handeln steht ein kleines Wort: „aber“.
„Aber auf dein Wort hin.“ - Das ist der Kern des Glaubens. Glaube bedeutet nicht, die Wirklichkeit zu verleugnen. Glaube bedeutet auch nicht, immer optimistisch zu sein. Glaube heißt, Gottes Wort mehr Gewicht zu geben als den eigenen Erfahrungen.
Petrus handelt nicht, weil er plötzlich von einem Erfolg überzeugt wäre. Er handelt, weil Jesus gesprochen hat.
Auch wir erleben Situationen, in denen unsere Erfahrungen uns entmutigen wollen. Vielleicht haben wir lange für einen Menschen gebetet. Vielleicht haben wir uns um Versöhnung bemüht oder Verantwortung übernommen und wenig Anerkennung erfahren. Vielleicht fragen wir uns, ob unser Einsatz überhaupt etwas bewirkt. Dann erinnert uns dieses Wort daran, dass Gottes Möglichkeiten nicht an unseren Erfahrungen enden. Wo wir nur die leeren Netze sehen, sieht Gott mehr. Wo wir an Grenzen stoßen, eröffnet er neue Wege.
Das Wunder des reichen Fischfangs geschieht erst später. Zunächst geschieht etwas anderes: Petrus vertraut. Er fährt noch einmal hinaus. Er setzt sein Vertrauen nicht auf seine Fähigkeiten, sondern auf das Wort Jesu. Vielleicht liegt genau darin die Botschaft dieses Tages für uns. Nicht jede Mühe wird sofort belohnt. Nicht jedes Gebet wird so erhört, wie wir es erwarten. Aber wir dürfen unser Leben immer wieder unter das Wort Christi stellen und sagen: „Herr, ich verstehe nicht alles. Vieles spricht dagegen. Aber auf dein Wort hin will ich den nächsten Schritt gehen.“
Und oft entdecken wir erst im Rückblick, dass Gott längst am Werk war, während wir nur die leeren Netze sahen.
Prädikant Marc Bühner
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