„Wenn Du etwas Gutes beginnst, bestürme ihn beharrlich im Gebet, er möge es vollenden.“

„Wenn Du etwas Gutes beginnst, bestürme ihn beharrlich im Gebet, er möge es vollenden.“

„Wenn Du etwas Gutes beginnst, bestürme ihn beharrlich im Gebet, er möge es vollenden.“

# Wort zum Alltag

„Wenn Du etwas Gutes beginnst, bestürme ihn beharrlich im Gebet, er möge es vollenden.“

Benedikt von Nursia war Begründer des Benediktiner-Ordens und Verfasser DER Mönchsregel. Im März geboren, im März gestorben und 67 Jahre alt geworden. Das ist nun etwa 1.400 Jahre her. In seiner Mönchsregel legte er nicht nur Regeln nieder. Dann wäre sie für uns weitgehend uninteressant, denn wir haben kein Gelübde abgelegt, unterstehen keinem Abt, keiner Äbtissin, leben nicht in selbstgewählter Armut usw. Wir leben ein sehr anderes Leben. Benedikt hat aber kein reines Paragraphenbuch geschrieben. Immer wieder tauchen in dem gut 100-seitigen Werk Sätze ganz anderer Art auf. Da spricht jemand aus Erfahrung. Kein Prinzipienreiter, sondern ein wachsamer und nachdenklicher Beobachter und Teilnehmer des Lebens, der weiß, wovon er spricht. Er sprach nicht nur aus eigener, sondern aus den gesammelten Erfahrungen von damals ungefähr 200 Jahren Mönchtum. Das waren schon ein paar Generationen, die in dieser besonderen Lebensform Erfahrungen mit dem Glauben, mit den Menschen und Erfahrungen mit sich selbst gemacht hatten. Manche Sätze dieser Regel kommen aus dieser Quelle, und das macht die Benediktinerregel für alle Christinnen und Christen interessant. Ich brauche diese besondere Lebensform nicht nachahmen, aber ich kann von den Erfahrungen mich anregen lassen.
Schon auf den ersten Zeilen ermutigt Benedikt: „Wenn Du etwas Gutes beginnst, bestürme ihn beharrlich im Gebet, er möge es vollenden.“
Nicht erst, wenn die Schwierigkeiten anfangen.
Nicht erst, wenn die erste Begeisterung nachlässt.
Nicht erst, wenn die Zweifel kommen, ob der eingeschlagene Weg richtig war.
Fang schon an zu beten, noch bevor Du Deine Entscheidung endgültig triffst.
Noch bevor Du die kritischen Gespräche führst.
Noch bevor die Alternativen abgeräumt werden.
Bestürme ihn im Gebet!
Vor dem Heiratsantrag.
Vor der Bewerbung.
Vor der Kündigung.
Vor dem Umzug.
Vor dem Vertragsabschluss.
Wenn Du schon ahnst, aber noch nicht weißt, was kommt.
Wenn etwas Neues sich andeutet aber noch nicht klar ist, was und wie es sein wird: Fang an zu beten. Bestürme ihn!
Ich vermute hinter diesem Rat eine Erfahrungsweisheit, eine Beobachtung an sich selbst und anderen. Die eigentlichen Weichenstellungen im Leben sind ein geheimer Moment. Der kleine Zeitraum, in dem der Wille sich festlegt, die Stunden, in denen ein Entschluss reift – das kann eine geheimnisvolle Erfahrung sein, die man selber nicht ganz durchschaut. Natürlich gibt es auch Vernunftentscheidungen. Da wird in Ruhe abgewogen, pro und contra, und die Sache ist klar.
Aber es gibt eben auch Entscheidungen, die liegen außerhalb der Reichweite unserer Vernunft. Da ist purer Wille amWerk. Ich meine, die wesentlichen Wahlentscheidungen sind von dieser Art. Entscheidungen der Liebe, der Berufswahl usw. Entscheidungen, die wir aus Neigung treffen, aus Zuneigung oder Abneigung, aus Liebe oder Abstoßung.
Manchmal regt sich das eigene Herz ganz zögerlich. Die innere Stimme redet leise und undeutlich nur. Nach wochenlangem Grübeln und Diskutieren mit Freunden wird es allmählich klarer. Irgendwann kommt der Moment, in dem ich merke: Eigentlich habe ich mich schon entschieden. Ich konnte es mir bisher nur selbst noch nicht eingestehen. Es war noch nicht ganz ausgereift. Die innere Kompassnadel zittert vielleicht noch ein wenig, dreht sich ein paar Mal, aber im Grunde geht es in eine Richtung.
Ich stelle mir vor, dass ein Mönch in seiner Alltagsdisziplin und der Stille seines geregelten Lebens eine große Wachheit für sein Inneres erlebt. Im Kloster kann man sich nicht so gut ablenken kann wie wir mit Sex, Drugs and Rock’n Roll. Mönche und Nonnen zaudern und zweifeln wahrscheinlich intensiver und ringen länger mit sich selbst und dem, was da vor ihnen steht oder in ihnen rumort.
Aber egal ob Nonne oder Mönch oder einfach ein freier Christenmensch: Wenn Sorgen und Erwartungen, Befürchtungen und Hoffnungen in dir arbeiten und du beim Gedanken an morgen irgendwie unruhig wirst … Wenn etwas ansteht: Bestürme ihn beharrlich im Gebet.
Denn man soll das Eisen schmieden, solange es heiß und flüssig ist. Man soll auch beten, bevor eine Entscheidung gerinnt. Wenn in dir selbst oder um dich herum sich etwas Unbekanntes ankündigt, wenn die Aura der Veränderung dich langsam ergreift. Wenn Du merkst, dass irgendetwas Neues im Anflug ist, ein Zwang von außen oder ein Wunschziel sich in deinem Herzen bildet: Fang schnell an zu beten! Bestürme ihn. Denn der Moment, in dem dein Herz eine Entscheidung trifft, der Tag, an dem Dein Wille zupackt und das andere verwirft, diese Augenblicke sind geheimnisvoll. Die Momente der Entscheidung sind auch gefährlich. Es kann einiges schiefgehen.
Bestürme ihn beharrlich im Gebet, er möge es vollenden.
Wende dich mit deinem gärenden Herzen Gott zu. Er ist der große Türöffner. Der Nebelvertreiber. Der Einfädler par excellence. Das Gewoge und Gewebe der vielen, vielen Mikroentscheidungen, die beiläufigen Zufallsmomente unerwarteter Begegnungen und Geistesblitze – sind sein Element. Im flüssigen „Jetzt“ mit seinen tausend kleinen Abbiegemöglichkeiten hat er sein Atelier und arbeitet an uns. Werde wach für das, was ist, und für das, was werden kann. Und „Befiehl dem Herrn deine Wege, er wird es wohl machen.“


Pfarrer Werner Busch, St. Katharinen

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