Opferfest - Vertrauen, Hingabe und Gottes Barmherzigkeit

Opferfest - Vertrauen, Hingabe und Gottes Barmherzigkeit

Opferfest - Vertrauen, Hingabe und Gottes Barmherzigkeit

# Wort zum Alltag

Opferfest - Vertrauen, Hingabe und Gottes Barmherzigkeit

In diesen Tagen feiert der Islam weltweit das Opferfest – auf Arabisch ʿĪd al-Aḍḥā. Es ist eines der wichtigsten Feste im Islam. Familien kommen zusammen, es wird gebetet, gegessen, geteilt.
Das Fest erinnert an die Geschichte Abrahams, im Islam Ibrahim genannt. Abraham war bereit, Gott alles anzuvertrauen – sogar das Liebste, das er hatte: seinen Sohn. Und doch endet die Geschichte nicht im Tod, sondern in Gottes Eingreifen. Im letzten Moment hält Gott Abraham zurück. Er will kein Menschenopfer. Stattdessen sorgt Gott selbst für ein Opfertier. Im Kern erzählt diese Geschichte deshalb nicht von Gewalt, sondern von Vertrauen. Abraham wagt es, Gott auch dort zu vertrauen, wo er keinen Ausweg sieht. Das ist ein Glaube, der nicht alles versteht und dennoch festhält an der Hoffnung: Gott wird einen Weg bereiten. Das Fest erzählt deshalb nicht von Grausamkeit, sondern von Vertrauen, Gehorsam und Gottes Barmherzigkeit.
Diese Geschichte verbindet Juden, Christen und Muslime. Abraham gehört zu den großen Glaubensgestalten aller drei Religionen. Deshalb lohnt es sich auch für uns als Christinnen und Christen, auf dieses Fest zu schauen und zu fragen: Was kann uns diese Geschichte heute sagen?
Auch wir kennen solche Momente. Zeiten, in denen wir nicht wissen, wie es weitergeht. Krankheit. Verlust. Streit in der Familie. Angst um die Zukunft. Fragen, auf die wir keine Antwort haben. Dann stehen wir manchmal wie Abraham auf einem Weg, den wir uns nicht ausgesucht haben.
Als Christinnen und Christen hören wir diese Geschichte zugleich im Licht Jesu Christi. Für uns zeigt Gott nicht, dass Menschen Opfer bringen müssen, um ihm nahe zu sein. Vielmehr glauben wir: Gott selbst geht den Weg der Hingabe. In Jesus Christus schenkt Gott sich den Menschen aus Liebe. Im Leben Jesu sehen wir: Gott ist nicht fern von unserem Leid. Er kennt Angst, Schmerz und Verlassenheit. Und am Kreuz zeigt sich die tiefe Botschaft des Evangeliums: Nicht der Mensch muss sich zu Gott hocharbeiten – Gott kommt zu uns. Darum steht im Zentrum des christlichen Glaubens nicht das Opfer, das wir bringen, sondern die Gnade, die Gott schenkt.
Zurück zum Opferfest: Eine schöne Seite dieses Festes ist die Gemeinschaft und das Teilen. Viele muslimische Familien geben einen Teil ihres Festmahls an Bedürftige weiter. Niemand soll vergessen werden. Auch darin begegnet uns etwas, das dem christlichen Glauben tief entspricht. Jesus selbst sagt: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern und Schwestern, das habt ihr mir getan.“
Die Berufung zur Nächstenliebe und zur Verantwortung füreinander, dass verbindet uns. Gerade in einer Zeit, in der Religion oft trennt oder gegeneinander ausgespielt wird, kann dieses Fest uns erinnern: Wir müssen nicht in allem gleich denken, um einander mit Respekt zu begegnen. Christen und Muslime teilen Geschichten, die Sehnsucht nach Frieden und den Glauben an den einen Gott, den Schöpfer des Lebens, den Barmherzigen. Gerade in einer Zeit voller Spannungen kann das Miteinander der Religionen ein Zeichen der Hoffnung sein. Vielleicht beginnt Frieden nicht zuerst in großen politischen Entscheidungen, sondern dort, wo Menschen einander zuhören, einander achten und gemeinsam Menschlichkeit leben.
So können wir Christen das Opferfest als Einladung verstehen: Zur Dankbarkeit, zum Vertrauen, zur Hingabe an Gott und zur Liebe gegenüber unseren Mitmenschen.
Möge Gott uns lehren, einander nicht mit Misstrauen, sondern mit offenen Herzen zu begegnen. Möge er unseren Glauben stärken, unsere Angst verwandeln und unseren Blick für den Nächsten öffnen.


Prädikant Marc Bühner

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