02/02/2026 0 Kommentare
Licht im Alltag
Licht im Alltag
# Wort zum Alltag

Licht im Alltag
Im Mittelpunkt der biblischen Erzählung zu Maria Lichtmess steht ein Mann namens Simeon. Simeon ist kein Priester und kein Herrscher. Er hat kein Amt und keine besondere Stellung. Die Bibel beschreibt ihn als einen alten, gerechten Mann, der in Jerusalem lebt und sein Leben lang auf Gottes Hilfe wartet. Er glaubt fest daran, dass Gott sein Volk nicht vergessen hat.
Simeon wartet – und dieses Warten hat ihn nicht bitter gemacht. Als Maria und Josef mit dem Kind Jesus 40 Tage nach der Geburt in den Tempel kommen, erkennt Simeon in diesem unscheinbaren Kind das, was andere nicht sehen: Gottes Nähe. Er nimmt das Kind auf den Arm und sagt sinngemäß: Jetzt habe ich gesehen, was Gott versprochen hat. Dieses Kind ist ein Licht für alle Menschen. Das ist wichtig: Nichts an dieser Situation ist spektakulär. Keine Wunder, keine Machtdemonstration. Die politische Lage ist angespannt, das Volk lebt unter römischer Besatzung, viele sind enttäuscht und müde. Und genau dort, mitten in einer schwierigen Realität, erkennt Simeon das Licht.
Wenn wir heute auf unsere Welt schauen, fühlen sich viele von uns ähnlich: Nachrichten voller Krieg und Gewalt, Unsicherheit, gesellschaftliche Spaltung, Angst um Frieden und Zukunft. Viele fragen sich: Was bringt unser Glaube da noch? Maria Lichtmess antwortet nicht mit schnellen Lösungen. Es sagt: Gott beginnt klein. Wie eine Kerze. Eine Kerze vertreibt nicht die ganze Dunkelheit, aber sie macht den nächsten Schritt sichtbar. Sie gibt Orientierung.
Christlicher Glaube heißt heute nicht, alles im Griff zu haben. Er heißt, Licht zu bleiben: ruhig, menschlich, hoffnungsvoll.
Ein Licht im Gespräch, das sonst hart wird.
Ein Licht für Menschen, die sich vergessen fühlen.
Ein Licht gegen Resignation und Zynismus.
Simeon zeigt uns: Hoffnung ist keine Vertröstung. Hoffnung ist eine Haltung. Wer wartet, ohne zu verbittern, wer hinschaut, ohne wegzusehen, der kann Licht erkennen – und weitergeben.
Bitten wir Gott, dass wir solche Menschen sind.
Helge Böttcher, Domkirchenvorstand
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