15/05/2026 0 Kommentare
Hab Mut! Steh auf!
Hab Mut! Steh auf!
# Wort zum Alltag

Hab Mut! Steh auf!
In Würzburg findet im Moment der 104. Deutsche Katholikentag statt. „Hab Mut! Steh auf!“ heißt das Leitwort. Riesengroß hängt es an den Domtürmen. Das ist gut. Denn so sind die Worte nicht nur weithin sichtbar. Es geht auch gar nicht, das Leitwort wahrzunehmen ohne den Kopf zu heben und sich irgendwie gerade zu machen.
Die vier Worte wurzeln im Markusevangelium. Sie gehen einer Heilungsgeschichte voraus! Ohne den Mut und die Bereitschaft, aufzustehen und sich aktiv einzubringen, geht in diese Geschichte nichts. Der Mut, die Eigeninitiative, die Hoffnung, dass etwas anders und besser werden kann, geht allem voraus. Markus erzählt: Ein blinder Bettler schreit um sein Leben als er hört, dass Jesus Christus in seiner Nähe ist. Er tut, was wir alle tun, wenn wir Kyrie rufen und Fürbitte halten, wenn wir unsere Not und Sorge zu Gehör bringen wollen. Der arme Blinde erntet dafür aber zunächst grobe Zurückweisung seiner Umgebung. Es scheint einen harten Konkurrenzkampf um die Aufmerksamkeit dessen zu geben, der heilen und retten kann. Es scheint Menschen zu geben, die glauben priorisieren zu dürfen, wessen Hilfsbedürftigkeit ernst zu nehmen ist. Wie immer können die Starken und Lauten, die die eine gute Lobby haben, besser für sich sorgen, haben sie den direkteren Zugriff auf Ressourcen. Wer blind ist und auch noch arm, hat wenig Aussicht wahrgenommen oder gar wirklich gesehen zu werden.Das sind Mechanismen, für die viele blind sind. Es braucht auch deren Mut, sich die Augen öffnen zu lassen. Immerhin: dieser hier lässt sich nicht mundtot machen. Er hat niemanden, der seinen Mund für ihn auftut. Das zwingt ihn zu Klarheit. Sein Schreien wird zum Bekenntnis: „Du, Sohn Davids! Hör mich! Sieh mich! Erbarm Dich!“ Und Jesus, der seine ganz eigenen Antennen für die am Rande, für die Ausgegrenzten und Übersehenen hat, wendet sich ihm zu. Ruft ihn. Er macht keine Zeichen. Er ruft. Damit er den Blinden auch wirklich erreicht. Und jetzt gibt es in er Nähe des Blinden Ermutiger*innen. Steh auf! Hab Mut! Schrei nicht nur, sondern geh mit. Geh ihm nach. Richte dein Leben nach dem aus, der dich ruft. Hör jetzt nicht auf. Jetzt geht es erst los. Und Jesus fragt ihn: "Was willst Du? Was brauchst du? Welche Hilfe bringt Dich ins Leben?" Er bevormundet ihn nicht. Er reduziert ihn nicht auf das Offensichtliche. Er fragt. Und der, der Mut gefasst hat, bittet: "Lass mich sehend werden. Gib mir Klarheit! Schärfe meinen Blick! Verändere meine Wahrnehmung." Da hat die Heilung längst begonnen. Da beginnt Nachfolge.
Dompredigerin Cornelia Götz
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