23/07/2026 0 Kommentare
W - Witwe
W - Witwe
# Wort zum Alltag

W - Witwe
Bibelkunde: W.
Ich war versucht – aus naheliegenden Gründen, mich mit Wetter und Wasser durchzuschlagen, aber dann sagte mein Bibellexikon: W – Witwen
Vielleicht sind sie ein Inbegriff derer, die übrigbleiben?
Die Sprachen der Bibel markieren für die „Witwe“ eine alleinstehende Frau: verwitwet, geschieden, manchmal auch ledig. Die Bibel kennt manche Witwen mit Namen wie Tamar, Ruth und Naomi.
Im alten Israel der vorexilischen Zeit waren Witwen – jedenfalls was die existentielle Versorgung betrifft - abgesichert, vor allem dann, wenn sie Söhne hatten, denn der Erstgeborene übernahm den Vorstand des Haushaltes, in dem auch die verwitwete Mutter bleiben konnte. Hatte eine Frau keinen Sohn, war die Idealvorstellung (des Familienverbandes), dass sie den fehlenden Erbsohn mit einem Bruder ihres Mannes zeugte. Andernfalls wurden Witwen zu ihren Eltern zurückgeschickt.
Es war eine radikale soziale Notlage, die sich in armen Haushalten verschlimmerte. Denn dann waren es die Witwen, die als schwächste Glieder hungerten und ausgebeutet wurden. Darum wurden sie wie Tagelöhner und Fremde dem Schutz der Gemeinschaft anvertraut. Im fünften Buch Mose heißt es folglich: Das Recht der Witwe, als Zeugin vor Gericht aufzutreten, darf nicht gebeugt, ihr Mantel nicht gepfändet werden. Außerdem steht ihr zu, nach der Ernte sowohl Ähren als auch Oliven und Wein nachlesen zu dürfen. Witwen bekamen einen kleinen Zuschuss an Geld, manchmal stand ihnen sogar ein Anteil an Kriegsbeute zu.
In jedem Fall galt die Fürsorge für die Witwen als religiöse Pflicht. Darum heißt es im zweiten Buch Mose: „Ihr sollt Witwen und Waisen nicht bedrücken. Wirst du sie bedrücken und werden sie zu mir schreien, so werde ich ihr Schreien erhören. Dann wird mein Zorn entbrennen.“
Auch im Neuen Testament wird deutlich, dass Witwen von Armut bedroht sind und besondere Unterstützung benötigen.
Allerdings gab es auch Witwen, deren Lebensunterhalt oder Vermögen durch antike Eheverträge geregelt war. Schließlich gab es Frauen, die bewusst allein leben wollten und offenbar eine eigene Größe in den jungen Gemeinden bildeten. Allerdings nicht unbedingt mit dem Wohlwollen aller. Darum versuchte man – ähnlich dem Schweigegebot für Frauen – ihren Status und Einfluss einzuschränken. Im ersten Timotheusbrief klingt das so:
„Das ist aber eine rechte Witwe, die alleinsteht, die ihre Hoffnung auf Gott setzt und beharrlich fleht und betet Tag und Nacht. Eine aber, die ausschweifend lebt, ist lebendig tot. … Es soll keine als rechte Witwe anerkannt werden unter sechzig Jahren … Jüngere Witwen aber weise ab; denn … sie sind sie faul und lernen, von Haus zu Haus zu laufen; und nicht nur faul sind sie, sondern auch geschwätzig und vorwitzig und reden, was nicht sein soll.“
Da hat jemand Angst.
Und wir blättern zurück, denken an Ruth und Naomi, Frauensolidarität und Gott, der in den Schwachen mächtig ist.
Dompredigerin Cornelia Götz
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