Singen...

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# Wort zum Alltag

Singen...

50 Jahre Domsingschule! Gleich schauen wir uns im ASTOR an, was da an Tönen und Stimmen, Geschichten und Gesichtern alles reinpasst. Aber vorher halten wir inne, hier, in unserem wunderbaren Dom und vor unserem Gott – voller Hoffnung auf gelingende fröhliche Tage. Was die Musik betrifft, ist es - jedenfalls für mich - eh ein gutes Jahr. Ich liebe Paul Gerhardt, Keimzeit hat ein neues Album rausgebracht und mein Leib- und Magenbarde Herbert Grönemeyer ist siebzig geworden, was den Fans jede Menge O-Töne und Dokumentationen beschert hat. Ob wir ihn mit seinem speziellen Timbre hier in der Domsingschule gebrauchen könnten sei dahingestellt – aber ganz offensichtlich liebt er das Singen leidenschaftlich. Wie wir hier. In einer der Dokumentationen sagte er: „Musik ist eine Vorlage, in sich selber innezuhalten oder auf die Suche zu gehen.“ Das ist ein Satz, den ich gerne selber gefunden hätte, weil damit gelingt auszudrücken, welchem Geheimnis wir dabei immer wieder begegnen. Musik, vor allem solche, die man selber macht, ist ja weit mehr als Spaß und Bildung, Garant für Freude und ein gutes Mittel gegen Einsamkeit.
Sie birgt eben auch die Erfahrung, dass sich ein Raum öffnet, in dem ich mich fallen, verlieren und wieder finden, zu mir selbst kommen und meiner selbst bewusst werden kann. Es scheint, als würde man, bei diesem „in sich selber innehalten“ Klangfarben für das finden, was in meinem Leben gerade geschieht, was mich anfasst oder glücklich macht, woran ich mich zergrüble, wonach ich suche, was ich glaube. Darum ist auch die Bibel voller Lieder: Es gibt Liebeslieder, Danklieder und Siegeslieder, Freiheitslieder, Lob und Klage, Hochzeitslieder, Weisheitslieder, Tanzlieder. Biblische Lieder stiften Identität und bewahren Erinnerung und vertiefen theologisches Wissen emotional, wirken therapeutisch. Und alle singen: Könige und Tempelsänger, David vor allem, aber auch Miriam, Debora, Hanna und Maria, Paulus und Silas und nicht zuletzt die himmlischen Heerscharen! Sie singen und in ihren Liedern passiert, was wir auch erleben: Hoffnung wird greifbar, Auferstehung lebendig, Trost wirksam, Gottes Nähe und Gnade spürbar. Bei Jeremia heißt es: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, will ich mich von euch finden lassen.“ Gott singend zu suchen ist eine wunderbare Art, mit dem ganzen Herzen dabei zu sein, andere anzurühren und sich in der Musik und Glaubenserfahrung derer zu bergen, die vor uns waren oder mit uns leben, die - mit Herbert Grönemeyer - Vorlagen geschaffen haben.
Singen ist Trotzkraft. Und die Domsingschule ein Geschenk, dass uns leben hilft, mit dem unser Gott uns zu sich zieht. Lasst uns das feiern, dankbar für den Segen Gottes und singend davon erzählen, immer weiter, immer wieder.


Dompredigerin Cornelia Götz  

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