27/07/2026 0 Kommentare
Nicht nur an Deck, sondern am Steuerrad
Nicht nur an Deck, sondern am Steuerrad
# Wort zum Alltag

Nicht nur an Deck, sondern am Steuerrad
Vielleicht haben Sie bereits einmal oder vielleicht sogar mehrfach eine Reise mit einem Schiff durchgeführt. Ich lade Sie heute an dieser Stelle ein, sich eine Hochseekreuzfahrt vorzustellen. Sie sind Mitreisende auf einem Kreuzfahrtschiff und die befahrenen Gewässer einer Hochseekreuzfahrt könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie sehen verwunschene Dörfer im sonnigen Süden, faszinierende Städte an den rauen Küsten der Nord- und Ostsee oder traumhafte Inseln in der Karibik. Jemand, in diesem Fall der Kapitän steuert das Schiff und legt aufgrund von Wetterdaten fest, wohin ihre Reise geht bzw. noch gehen wird. Dieser Kapitän ist aufgrund seiner mehrjährigen Ausbildung qualifiziert das Schiff sicher zu navigieren. Wenn sich das sanft wogende Meer soweit das Auge reicht um sie herum ausbreitet, eine salzige Brise sie umweht, stehen sie an Deck, lehnen entspannt an der Reling und ihre Vorfreude auf das nächste Ziel, den nächsten Hafen nimmt stetig zu. Sie gehen davon aus, dass der Kapitän dieses Schiffes sie sicher zu dem nächsten Ziel bringen wird. Ihre Aufgabe besteht lediglich also darin eine solche Reise zu buchen, zu bezahlen, das Schiff zu betreten und darauf zu vertrauen, das alles gut wird und gut bleibt. Alles Weitere übernimmt der Kapitän mit seiner Mannschaft. Er steht für sie am „Steuerrad“. An dieser Stelle bitte ich Sie jetzt, sich ein anderes Bild vorzustellen. Unser aller Leben gleicht einer Reise mit einem Schiff auf unserem Lebensfluss. Ja, es handelt sich auch hier um eine Art Hochseekreuzfahrt. Die von uns befahrenen Gewässer sind herausfordernd, da sie ausgesprochen unterschiedlich beschaffen sind. Und auch nicht immer von Anfang an fest steht, wie der Reiseverlauf sein wird. Es gibt zwar eine Planung von uns, so eine Art gedankliche Buchung, jedoch gibt es auch viel Unerwartetes, welches abzufahren ist. Und auf diesem Schiff, mit welchem wir unseren Lebensfluss bereisen, sind jeweils wir der Kapitän und stehen am Steuerrad. Wir sind nicht nur an Deck und lehnen entspannt an der Reling, nein wir sind am Steuerrad. Wir haben die Freude und die Verantwortung festzulegen, wohin unsere Reise gehen wird. Und wie wir mit Unerwartetem umgehen. So ähnlich wie bei der zuvor beschriebenen Hochseekreuzfahrt sind auch die von uns befahrenen Gewässer auf unserem Lebensfluss sehr unterschiedlich. Vieles verläuft wie gebucht und geplant und vieles jedoch auch nicht. Was uns alle als Kapitäne eint, ist die Verantwortung dafür, dass wir unser Schiff über alle Routen und durch alle Tiefen navigieren, um sicher von Ziel zu Ziel fahren zu können. Wir haben für diese Hochseekreuzfahrt auf unserem jeweiligen Lebensfluss keine spezielle Ausbildung absolviert. Was wir jedoch haben ist unser Gottvertrauen darauf, dass wir von einer göttlichen Macht, beschützt und manchmal gesteuert werden.
In diesem Sinn, seien wir nicht nur an Deck, sondern fassen wir es an, das Steuerrad auf dem Schiff unseres Lebens und halten es mit göttlichem Beistand fest in unseren Händen, um am Ende sicher ans Ziel zu kommen.
Lektorin Martina Raschdorf-Jahn, Domkirchenvorstand
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