25/03/2026 0 Kommentare
Menschlichkeit
Menschlichkeit
# Wort zum Alltag

Menschlichkeit
Über diesem Mittwoch heißt es in den Herrnhuter Losungen im 9. Psalm: „Herr, steht auf, dass nicht Menschen die Oberhand gewinnen!“
Was für eine Bitte! Was für ein Menschenbild? Wie kommt ein Mensch dazu, das zu hoffen? Es schnürt einem Herz und Kehle zu und Bilder steigen auf von Menschen die anderen zum Wolf geworden sind, von erschütternden Leidensgeschichten, schlimmen Bildern. Kriegstreiber, Tyrannen, Folterer… Ja, um Gottes Wilen, Sie mögen nicht gewinnen. Und doch rührt sich in mir Widerstand.
Ich erinnere mich an einen Text des israelischen Philosophen Omri Böhm: „Ein Mensch zu sein, so Boehm, ist keine Tatsache, sondern eine Aufgabe.“ Menschen können ihre Menschlichkeit verlieren. Ja. Darum wird Jesus Christus am Kreuz sterben. Aber sein Weg erzählt doch, dass es möglich bleibt, in all dem Unheil auf unserer Welt ein Mensch zu sein. Das ist es doch, was wir auf dem Weg nach Golgatha sehen. Da geht ein Mensch. Seine Nähe ist heilsam. Menschen lernen wieder sehen und wahrnehmen. Sie finden zurück in den aufrechten Gang. Sie teilen und erleben darin die Fülle – nicht nur spirituell, sondern auch körperlich – sie werden wirklich satt. Sie können einander und sich selbst vergeben. Die Hoffnung wird groß. Darum hatte wohl jemand eine glückliche Hand als zur Tageslosung folgender Lehrtext ausgesucht wurde: „Jesus spricht: Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen und sie werden ihn töten; und wenn er getötet ist, so wird er nach drei Tagen auferstehen.“ Sie werden ihn töten. Menschen werden ihn töten. Es hört nicht auf. Aber die Menschlichkeit ist nicht totzukriegen. Sie ist überall. Sie ist stärker.
Dompredigerin Cornelia Götz
Kommentare