„Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir.“

„Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir.“

„Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir.“

# Wort zum Alltag

„Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir.“

Im Evangelium nach Lukas lesen wir von einem der tiefsten Momente im Leben Jesu. Im Garten Gethsemane betet er: „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Und dann heißt es: „Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn.“
Hier begegnet uns ein Jesus, der ganz Mensch ist. Einer, der Angst kennt, der ringt, der nicht einfach gelassen auf das Leid zugeht. Der „Kelch“ steht für das, was vor ihm liegt: Verrat, Schmerz, Kreuz. Und Jesus spricht offen aus, was in ihm ist. Er bittet darum, verschont zu bleiben.
Das ist bemerkenswert. Denn es zeigt: Glaube bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Glaube bedeutet auch nicht, immer sofort zu wissen, was Gottes Wille ist. Jesus selbst ringt darum. Er verschweigt seine Not nicht, sondern bringt sie vor Gott.
Und doch bleibt er nicht bei der Angst stehen. Sein Gebet hat eine Wendung: „Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Das ist kein leichtes Dahingesagtsein. Es ist eine Entscheidung mitten im inneren Kampf. Vertrauen gegen das Gefühl. Hingabe trotz Unsicherheit.
Vielleicht kennen sie solche Momente: Situationen, in denen man sich wünschst, dass etwas an einem vorbeigeht. Eine Krankheit, eine Entscheidung, ein Abschied. Und vielleicht haben sie auch schon gebetet: „Gott, wenn es möglich ist, mach, dass das nicht passiert.“ Dieses Gebet ist erlaubt. Mehr noch: Es ist ehrlich. Gott hält das aus.
Aber Jesus zeigt uns auch einen zweiten Schritt: das Loslassen. Das Vertrauen, dass Gottes Weg – so schwer er auch erscheinen mag – letztlich ein guter Weg ist. Nicht unbedingt ein leichter, aber ein Weg, auf dem Gott selbst mitgeht.
Und genau das wird im zweiten Vers sichtbar: „Ein Engel vom Himmel stärkte ihn.“ Die Situation ändert sich nicht sofort. Der Kelch bleibt. Aber Jesus bleibt nicht allein. Gott schenkt ihm Kraft für den Weg, den er gehen muss.
Das ist vielleicht die wichtigste Zusage für uns: Gott nimmt uns nicht jede Last ab, aber er lässt uns nicht ohne Kraft. In den schwersten Momenten kann er uns stärken – durch Menschen, durch Worte, durch einen inneren Frieden, den wir uns nicht selbst geben können.
So lädt uns dieser Bibeltext ein, ehrlich zu beten und zugleich zu vertrauen, unsere Angst vor Gott zu bringen und uns dann in seine Hände zu legen. 


Prädikant Marc Bühner

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