02/09/2026 0 Kommentare
Gut werden
Gut werden
# Wort zum Alltag

Gut werden
Als er zwanzig Jahre alt ist, begeht er den größten Fehler seines Lebens. Wegen schweren Raubes wird er zu acht Jahren Haft verurteilt. Er habe ein Jahr gebraucht, sagt Nico, bis er wirklich verstanden haben, dass er die schwere Zellentür nicht allein öffnen kann.
Im Gefängnis kann er nur eines: nachdenken und lernen, diszipliniert zu sein. Und das sei, sagt Nico, das Beste, was ihm passieren konnte. Und beginnt eine Lehre als Bäcker. Dabei hat er Hilfe: Ein Verein, der sich um junge Strafgefangene kümmert, unterstützt ihn, wo immer es geht. Nach vier Jahren im Gefängnis besteht Nico die Gesellenprüfung. „Mit Auszeichnung“, sagt er stolz.
Er arbeitet zunächst weiter in der Backstube des Gefängnisses und findet, als er auf Bewährung entlassen wird, Anstellung als Geselle in einer Bäckerei. Sein neuer Traum, sagt Nico, sei es, Bäckermeister zu werden und weiterzuwachsen.
Das ist ein beeindruckender Weg, finde ich: Aus einem, der Unheil anrichtet, wird ein Mensch, der sich und anderen Gutes tut. So, als gebe er seinem Leben eine neue Richtung.
Ja, weiß die Bibel: Wir Menschen können unser Leben ändern, manchmal um 180 Grad. So, wie Paulus, der erst Christen mit Eifer verfolgt, bis er schließlich selbst Christ wird und anderen von Christus erzählt.
Ein starker Paulussatz im Römerbrief lautet: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“ Ich höre das so: Begegne den Menschen freundlich. Unterbrich den Kreislauf des „wie du mir so ich dir". Reiche Hände, wo andere Fäuste ballen. Such neue Anfänge,
wo andere nur Sackgassen sehen.
„Das schaffst du nie!“ Diesen Satz habe er, sagt Nico, oft im Leben hören müssen. Damals im Gefängnis habe er ihn für sich umgedreht und zu sich gesagt: „Ich will mir beweisen, dass ich es doch schaffen kann!“
Was es dazu braucht? Mut, sagt Nico, vor allem auch Dankbarkeit. Er werde nicht vergessen, wer ihm jahrelang beistand und geholfen habe. Manchmal stellt er sich in die Backstube und backt für die, die ihn unterstützen, einen Kuchen. Einfach so als Dankeschön, das von Herzen kommt.
Pfarrer Henning Böger
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