15/05/2026 0 Kommentare
Eisheilige
Eisheilige
# Wort zum Alltag

Eisheilige
Kaum sind die Blumen frühlingsfein in Töpfen und Balkonkästen verpflanzt, warnt der Wetterdienst eindringlich: „Achtung: Die Eisheiligen kommen!“
Und wir erinnern uns, dass jeder Tag des Kalenderjahres Namen mit sich trägt, zumeist von Heiligen des Mittelalters, die an diesem Tag gestorben sind.
Im Laufe der Jahrhunderte ist der Landwirtschaft dann aufgefallen, dass um Mitte Mai für fünf Tage oft noch einmal Kälte und Frost zurückkehren. Darum bekamen die Heiligen dieser Tag den Namen „Eisheilige“.
Gestern am 11. Mai war es Mamertus. Heute gefolgt von Pankratius und Servatius morgen. Die letzten beiden Eisheiligen tragen dann bekanntere Namen: Bonifatius am 14. Mai und Sophia am 15. Mai, die etwas salopp auch die „Kalte Sophie“ genannt wird. Alle Fünf haben ihren christlichen Glauben unter widrigen Bedingungen bekannt.
Früher waren Eisheiligen gefürchtet. Denn eine eisige Nacht im Mai konnte die Ernte stark gefährden. Da war es gut, den Himmel um Hilfe und Schutz anzurufen. Und die Heiligen galten den Menschen als Fürsprecher bei Gott.
Je mehr es davon gab, desto besser, um sich ein wenig hilfloser und etwas aufgehobener zu fühlen in dieser schwer überschaubaren Welt.
Auch wenn mein evangelischer Glaube bei Gott keine besonderen Fürsprecher braucht, sind die Eisheiligen doch bedeutsam als geistliche Temperaturfühler für einen Glauben an Gott als Schöpfer, der mit dieser Welt als unserem Lebensraum untrennbar verbunden bleibt.
Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifaz und Sopiha mahnen zu einem aufmerksamen Leben im Wechselspiel der Jahreszeiten. Sie laden ein zum Staunen über das, was wächst und wird, und zur Sorge dafür, dass unsere Ernte für viele reichen soll.
„Vor der kalten Sophie wird kein Sommer!“, weiß eine alte Bauerregel. Darum Obacht mit den Pflanzen auf Terrassen und Balkonen. Und den Blick frei auf die Kraft, aus der wir leben.
Pfarrer Henning Böger
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