Ein kleines Licht sein

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Ein kleines Licht sein

# Wort zum Alltag

Ein kleines Licht sein

Heute möchte ich mit Ihnen eine kleine Reise machen – auf die Reise des „Kleinen Prinzen“.
Viele kennen das Buch von Antoine de Saint-Exupéry. Es ist eigentlich ein kleines Buch, schnell gelesen und mit einfachen Bildern. Und trotzdem steckt darin erstaunlich viel über unser Leben, über Beziehungen und darüber, was wirklich wichtig ist.
Der Kleine Prinz verlässt seinen kleinen Asteroiden und macht sich auf die Reise. Dabei besucht er verschiedene Planeten und trifft dort immer wieder auf Erwachsene. Und jedes Mal trifft er dabei auf eine ganz eigene Art, wie Menschen ihr Leben verbringen.
Auf dem ersten Planeten trifft der Kleine Prinz einen König. Er möchte über alles und jeden herrschen – obwohl er eigentlich niemanden hat, über den er herrschen könnte.
Auf dem nächsten Planeten lebt ein eitler Mann. Er möchte vor allem bewundert werden. Er möchte hören, wie großartig er ist.
Dann trifft der Kleine Prinz einen Geschäftsmann, der ständig damit beschäftigt ist, Sterne zu zählen und sie zu besitzen. Er hat so viel zu tun, dass er gar keine Zeit hat, darüber nachzudenken, was ihm diese Sterne eigentlich bedeuten.
Und schließlich trifft er einen Laternenanzünder und darüber möchte ich heute mit Ihnen sprechen. Die Aufgabe des Laternenanzünders ist ganz einfach: „Wenn es dunkel wird, muss er die Laterne anzünden. Wenn es hell wird, muss er sie wieder löschen.“ Eigentlich wäre das eine ziemlich überschaubare Aufgabe. Aber der Planet dreht sich immer schneller. Und deshalb muss der Laternenanzünder ständig seine Laterne an- und wieder ausmachen. Kaum hat er sie angezündet, ist schon wieder Morgen. Kaum hat er sie gelöscht, ist schon wieder Abend. Der Kleine Prinz fragt ihn, warum er diese absurde Aufgabe trotzdem weitermacht. Und der Laternenanzünder antwortet sinngemäß: „Das ist meine Aufgabe.“ Und genau dieser Mann ist dem Kleinen Prinzen plötzlich besonders sympathisch. Denn während die anderen Erwachsenen vor allem mit sich selbst beschäftigt sind – mit Macht, Anerkennung oder Besitz –, tut der Laternenanzünder etwas, das für andere wichtig ist: Er macht Licht.
Ich glaube, darin steckt ein ziemlich aktueller Gedanke. Denn manchmal kommt mir unser eigener Planet gar nicht so anders vor. Auch bei uns dreht sich alles immer schneller. Wir haben Termine, Arbeit, Nachrichten, E-Mails, Verpflichtungen. Kaum ist eine Sache erledigt, wartet schon die nächste. Und manchmal sind wir so damit beschäftigt, unseren Alltag zu organisieren, dass wir gar nicht mehr fragen: Wofür eigentlich? Was ist wirklich wichtig?
Der Kleine Prinz zeigt uns verschiedene Möglichkeiten. Man kann nach Macht streben. Man kann danach leben, von anderen bewundert zu werden. Man kann versuchen, möglichst viel zu besitzen. Oder man kann – wie der Laternenanzünder – einfach dafür sorgen, dass es für andere ein bisschen heller wird.
Und genau hier passt ein Satz von Jesus aus dem Matthäusevangelium: „Ihr seid das Licht der Welt.“

Jesus sagt nicht: Ihr müsst die ganze Welt retten.
Vielleicht ist es viel einfacher. Vielleicht bedeutet es, an dem kleinen Ort, an den wir gestellt sind, ein Licht zu sein. Für einen Menschen, der gerade einsam ist. Für jemanden, der Hilfe braucht. Für einen Kollegen, der einen schlechten Tag hat. Für jemanden, dem wir einfach zuhören. Wir können nicht überall sein. Wir können nicht jedes Problem lösen. Aber wir können eine Laterne anzünden.
Und vielleicht ist das für heute die Frage, die wir aus dieser kleinen Geschichte mitnehmen: Wo kann ich heute für jemanden ein kleines Licht sein?


Helge Böttcher, Mitglied des Domkirchenvorstandes

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