Barmherzigkeit - einfach freundlich sein

Barmherzigkeit - einfach freundlich sein

Barmherzigkeit - einfach freundlich sein

# Wort zum Alltag

Barmherzigkeit - einfach freundlich sein

Was genau ist eigentlich Barmherzigkeit? Und wie unterscheidet sich Barmherzigkeit von Mitleid? Bei Wikipedia wird Barmherzigkeit erklärt als eine aktive Haltung der Liebe und des Mitgefühls, bei der sich ein Mensch einem Bedürftigen zuwendet, dessen Not lindert und Vergebung schenkt. Sie geht über bloßes Mitleid hinaus, indem sie sich in konkreten Taten – oft „Werke der Barmherzigkeit“ genannt – zeigt und gilt als zentrale Tugend der Weltreligionen. 
Zu dem Thema Barmherzigkeit habe ich uns heute eine Geschichte aus dem Buch „Brot und Liebe“  von Susanne Niemeyer und Matthias Lemme, mitgebracht.
Sie lautet wie folgt:
Damals, dieser Mann in der Bar, irgendwo am Atlantik. Seinen Namen habe ich vergessen, irgendwie klang er nach tausendundeiner Nacht. Er hatte freundliche Augen, seine Hände ruhten keine Minute. Er kochte, er zapfte Bier, wischte Tische, plauderte mit Gästen und grüßte die Vorübergehenden, als wären sie Schwestern und Brüder.
Keine Spur von Hektik. Aufmunternde Worte in jede Richtung. Wie es der Mutter gehe, ob das mit dem Zimmer geklappt habe, ob der Neffe die Schuhe nun haben wolle. Der Mann schien gänzlich unverschlossen. Während er im Küchenverschlag Auberginen garte, erzählte er von damals. Bei der Bank habe er gearbeitet, jahrelang, ein guter Job, aber das könne er ja nicht ewig machen.
Diese Bar, das wäre jetzt sein Leben. Treffpunkt für Tagediebe, Touristen, Durstige, Menschen wie Du und ich. Er servierte seine Auberginen und brachte ein paar Kindern einen Würfelbecher.
Erst später merkte ich, dass nur wenige Gäste zahlten. Und es sah auch nicht danach aus, als ob der „Patron“ etwas aufschriebe. Mir kam zu Ohren, dass die Bar stadtbekannt sei, ein Refugium für Einsame und Zechpreller. Nicht dass das irgend so ein Mitleidsding wäre oder gar religiös, nein der Patron, der sei einfach so.
Gott, du bist bei uns und freundlich, mache unsere Herzen weich, damit wir hören und fühlen, nicht feilschen und makeln. Gott, du bist listig, bring uns aus dem Gleichgewicht, damit wir mehr sehen als auf Augenhöhe ist. Gott, du bist warmherzig, findest uns schöner als wir sind. Bring ihn  uns bei, diesen gütigen Blick.
In diesem Sinn, Herr erbarme Dich, schenke uns Barmherzigkeit und wache über uns.


Martina Raschdorf-Jahn, Domkirchenvorstand

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