31/01/2026 0 Kommentare
Wäsche
Wäsche
# Wort zum Alltag

Wäsche
Wäsche
Dort, wo Wäsche zum Trocknen hängt,
sind die Menschen nicht tot,
sie sind nicht im Krieg,
bleiben wenigsten noch
zwei Tage oder drei.
Werden nicht gewechselt
Und flattern nicht davon.
Nicht wie das trockene Gras.
(Jehuda Amichai)
An diesen Zeilen hänge ich heute fest.
Es braucht eine Weile bis ich verstehe, warum.
Ich denke, es hat etwas mit der Kraft des Alltags zu tun.
Es erklärt, warum das kleine alltägliche Leben mich so Beschlag nehmen kann obwohl die Nachrichten und Themen der Gegenwart so groß und schwer sind.
Und beim zweiten Blick scheint mir dies kleine Gedicht eine Antwort auf die Tageslosung aus dem Markusevangelium zu sein:
„Jesus nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern, dass sie sie ihnen austeilten, und die zwei Fische teilte er unter sie alle. Und sie aßen alle und wurden satt.“
So wird Hoffnung vermehrt.
Überall hängt Wäsche auf Leinen und Wäscheständern.
Überall leben Menschen.
Sie sorgen sich um das, was alle Tage Not tut.
Vor einem Jahr sagte Alice Bota hier im Dom an einem Abend zum Gedenken an die Menschen in der Ukraine: das ist die Kraft der Ziviilgesellschaft.
Aufstehen, Zähne putzen, Kinder wecken, Wäsche machen.
Wir bleiben noch.
Wir haben Wurzeln.
Wir können hier Abendmahl miteinander feiern und uns einander vergewissern.
Dompredigerin Cornelia Götz
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