09/02/2026 0 Kommentare
Was ihr einem von diesen Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir auch nicht getan.
Was ihr einem von diesen Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir auch nicht getan.
# Wort zum Alltag

Was ihr einem von diesen Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir auch nicht getan.
Das Gleichnis vom Weltgericht konfrontiert uns mit großen Bildern: der Menschensohn auf dem Thron, die Völker versammelt, Schafe zur Rechten, Böcke zur Linken. Es ist ein Text, der nicht bequem ist. Und vielleicht ist genau das seine Absicht.
Im Mittelpunkt steht heute ein einziger Satz aus diesem Bibeltext, fast unscheinbar und doch voller Sprengkraft. Jesus sagt: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem von diesen Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir auch nicht getan.“ Nicht: Was ihr Böses getan habt. Sondern: Was ihr nicht getan habt.
Das ist herausfordernd. Denn wir sind oft sehr gut darin, unser Leben danach zu beurteilen, was wir falsch gemacht haben – oder eben nicht. Wir sagen: "Ich habe doch niemandem geschadet. Ich habe mich korrekt verhalten. Ich habe nichts Verbotenes getan." Aber Jesus verschiebt den Maßstab. Es geht nicht um die Abwesenheit des Bösen, sondern um die Anwesenheit der Liebe.
Im Gleichnis fragen beide Gruppen – die Gerechten wie auch die anderen – erstaunt: „Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen?“ Das ist entscheidend. Niemand hat bewusst Jesus geholfen oder bewusst Jesus ignoriert. Sie haben einfach Menschen gesehen. Oder eben übersehen.
Und genau dort liegt der Kern dieses Textes: Christus begegnet uns im Mitmenschen. Nicht im Besonderen, nicht nur im Frommen, nicht nur im Dankbaren – sondern im Hungrigen, im Fremden, im Kranken, im Einsamen, im Übersehenen.
So hält uns dieser Vers einen Spiegel vor. Er fragt nicht zuerst nach unserem Glauben, sondern nach unserem Blick. Wen nehme ich wahr? Wem weiche ich aus? Wo sage ich: Dafür bin ich nicht zuständig?
Und das Urteil im Gleichnis ist kein willkürliches Strafgericht. Es ist die Konsequenz eines Lebensstils. Wer gelernt hat, wegzuschauen, erkennt Christus nicht – selbst wenn er direkt vor ihm steht.
Ich möchte hier keine Moralpredigt halten. Es geht schließlich nicht darum, dass wir uns Gottes Liebe verdienen müssten. Unser Heil hängt nicht an der Menge unserer guten Taten. Niemand wird gerettet, weil er genug geholfen hat. Wir leben aus der Vergebung, nicht aus unserer Leistung. Wie Luther klar stellte: „Unser Heil gründet allein in der Gnade Gottes.“ Und weiter sagte Martin Luther: "Gott braucht unsere guten Werke nicht – aber unser Nächster braucht sie." Unser heutiger Vers zeigt genau das. Der Glaube zeigt sich nicht in großen religiösen Gesten, sondern in kleinen, oft unscheinbaren Handlungen: ein Glas Wasser, ein offenes Ohr, ein Besuch, ein Teilen.
Jesus identifiziert sich mit den Geringsten. Das heißt auch: Kein Akt der Liebe ist zu klein. Wo wir helfen, dienen, teilen, begegnen – dort geschieht Reich Gottes.
Darum dürfen wir beten um offene Augen – nicht um perfekte Menschen zu werden, sondern wachsame. Um ein Herz, das sich berühren lässt. Und um den Mut, dort zu handeln, wo wir können – im Kleinen, im Konkreten, im Heute.
Wo könnte mir Christus heute begegnen? Wen übersehe ich vielleicht zu schnell? Und was ist ein Schritt der Liebe, der mir heute möglich ist?
Gott schenke uns seinen Geist, damit wir Christus erkennen, wo er uns begegnet.
Prädikant Marc Bühner
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