Komm lieber Mai

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# Wort zum Alltag

Komm lieber Mai

Ich weiß nicht, ob es Ihnen auch so geht, dass pünktlich im Jahreslauf Ohrwürmer auftauchen. Im November, wenn die Krähenschwärme dominant werden, denke ich an Rilkes „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr“ und jetzt, wenn die ersten warmen Tage kommen und die Menschen wieder helle Sachen tragen, singt es in mir: „Komm lieber Mai und mache / die Bäume wieder grün und lass mir an dem Bache die kleinen Veilchen blühn! Wie möcht ich doch so gerne / ein Veilchen wieder sehen. Ach lieber Mai wie gerne / einmal spazieren gehn.“
Wir haben das tatsächlich in der Schule gelernt und alle mussten es vorsingen. Bei diesem Notenumfang! Unglaublich eigentlich. Und was für eine hochnotpeinliche Quälerei für die, die nicht wie ich, in einer Kurrende sangen. In meinem Hirn hat sich eingegraben, dass der völlig verarmte todkranke Wolfgang Amadeus Mozart diese Melodie in seinem letzten Winter schrieb - voller Sehnsucht nach dem Frühling, den er nicht mehr erleben würde. War es so? Fast. Mozart komponierte die Melodie am 14. Januar 1791. Es wurde in einer Sammlung Kinderlieder veröffentlicht.  Und er starb im Dezember desselben Jahres - nur 35-jährig in Wien. Den Frühling hat er also noch erlebt; es war sein letztes enorm schöpferisches Lebensjahr. Und es muss ein quälender Winter in einer hochprekären finanziellen Situation gewesen sein.
Warum fällt es mir immer wieder ein? Vielleicht, weil diese Sehnsucht nach Licht und Wärme, nach Frühling, Blüten und zarten Farben so menschlich ist und weil es gerade darin so richtig und absurd zugleich ist, genau jetzt durch die karge Passionszeit gehen zu müssen. Denn genau so ist es ja: Gott hat diese Welt so gut eingerichtet, dass wir glückselig durch diese ersten Frühlingstage taumeln können sollten. Aber wir Menschen haben die Welt mit so viel Lied überzogen, dass mitten im Frühling das Undenkbare geschieht: Gott stirbt. Ohnmächtig. Hingerichtet. Daraufhin müssen wir mitgehen - aber nicht auf die Finsternis zu, sondern - dank Gottes Barmherzigkeit - durch das Dunkel hindurch. Dahinter leuchtet es hell, wird es Frühling, blühen Veilchen.


Dompredigerin Cornelia Götz

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