29/01/2026 0 Kommentare
K - Kinder
K - Kinder
# Wort zum Alltag

K - Kinder
Noch liegt das Kind in der Krippe. Noch haben es die Weihnachtschrist*innen unter uns leicht. Aber inzwischen haben wir das Kind aus den Augen verloren, sind die harschen neutestamentlichen Szenen aus Jesu Familiengeschichte schon sonntägliche Lesung gewesen. Da war der Junge, der sich im Tempel zu den Lehrern setzte und wenig Sinn für die Sorgen seiner Eltern hatte, die ihren Sohn vermissten und suchten, die Angst um ihn hatten. Da war die Hochzeit in Kana, in der Jesus seine Mutter anfährt als wäre es völlig unangemessen irgendeine familiäre Beziehung zu vermuten. Woher kommt das? Vielleicht hat es ja mit dem Ideal der Ehelosigkeit der frühen Christenheit zu tun, dass Kinder und Kindererziehung im Neuen Testament eigentlich keine Rolle spielen. Denn bis dahin stellt sich das anders dar: Im Alten Testament sind Kinder eine Gabe Gottes und sichtbares Zeichen seines Segens. Kinder garantieren das Überleben der Familie. Kinder geben ihren Kindern die kostbaren Worte der Bibel weiter, Kinder setzen Gottes Weg mit seinem Volk fort.
Kinderreichtum war Ausdruck der Fülle, die Gott schenkt. Schon im Schöpfungsbericht heißt es: „seid fruchtbar...!“. Abraham verheißt Gott ein „großes Volk aus ihm zu machen“ und Isaaks Nachkommen sollten so viele wie Sterne am Himmel sein. Umso härter traf die Kinderlosigkeit. Ruths Schwiegermutter Naomi sagte nachdem sie ihre beiden Kinder verloren hatte: „Nennt Mara, die Bittere, denn der Allmächtige hat mir viel Bitteres angetan.“ Und Hanna, die keine Kinder bekommen konnte, erlitt Demütigung und Ausgrenzung. Im 1.Samuel heißt es: „Und ihre Widersacherin kränkte und reizte sie sehr, weil der Herr ihren Leib verschlossen hatte. So ging es alle Jahre; wenn sie hinaufzog zum Haus des Herrn, kränkte jene sie. Dann weinte Hanna und aß nichts.“ Kinder waren ein Schatz. Aber Kindheit war es nicht. Dass man Kindheit als eigenständige Lebensphase versteht, Kinderrechte beschreibt sind vergleichsweise junge Phänomene: Das griechische Wort „pais“ steht für „Kind“ und „Sklave“ gleichermaßen. Erst während der Industrialisierung und durch die Einführung der Schulpflicht begann die «bürgerliche Gesellschaft» zwischen der Welt der Kinder und derjenigen der Erwachsenen zu unterscheiden. Und die Kindersegnung??? Die müssen wir – wie Jesu Geburt – als Gottes Parteinahme für diejenigen lesen, die keine Rechte hatten, abhängig waren, gefährdet und schutzlos. In ihnen begegnet uns Gott. Ihnen gilt sein Segen zuerst.
Dompredigerin Cornelia Götz
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