Gutes tun

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# Wort zum Alltag

Gutes tun

Gestern Abend habe ich mit den Konfirmand*innen die Geschichte der Salbung in Bethanien gelesen: „Jesus war in Betanien. Er war zu Gast bei Simon, dem Aussätzigen. Als er sich zum Essen niedergelassen hatte, kam eine Frau herein. Sie hatte ein Fläschchen mit Salböl dabei. Es war reines kostbares Nardenöl. Sie brach das Fläschchen auf und träufelte Jesus das Salböl auf den Kopf. Da ärgerten sich einige und sagten: »Wozu verschwendet sie das Salböl? Es war über 300 Silberstücke wert. Man hätte es verkaufen und das Geld den Armen geben können.« und überschütteten sie mit Vorwürfen. Aber Jesus sagte: »Lasst sie doch! Warum macht ihr der Frau das Leben schwer? Sie hat etwas Gutes an mir getan. Es wird immer Arme bei euch geben, und ihr könnt ihnen helfen, wann immer ihr wollt. Aber mich habt ihr nicht für immer bei euch. Die Frau hat getan, was sie konnte. Auf der ganzen Welt wird man die Gute Nachricht von mir verkünden. Dann wird man auch erzählen, was sie getan hat. So wird man sich immer an sie erinnern.«"
Einmal mehr rührt mich diese Frau an, ihre Unerschütterlichkeit, ihr Mut und auch ihre wortlose Würde. Sie wagt sich in eine Runde, in der sie wahrscheinlich nicht willkommen ist. Vielleicht hofft sie auf die Solidarität unter Ausgegrenzten, auf den Aussätzigen, der das Wunder erlebte, Gastgeber sein zu dürfen. Aber der bleibt für sich. So steht sie – zwischen den Männern, um ein großmütiges Geschenk zu machen. Sie tut, was sie für richtig hält und was sie sich wohl auch für sich selbst wünschen würde. Sie lässt sich nicht abbringen, nicht durch die Beurteilung anderer, nicht durch deren Besserwisserei und auch nicht durch die moralische Keule. Sie vertraut ihrem Einfühlungsvermögen. Sie hört auf ihr Herz. Sie weiß, was gut ist und guttut. Sie tut, was sie denkt. Und Jesus spürt ihre Geradlinigkeit und Menschenfreundlichkeit. Wann immer von ihm, Jesus, die Rede sein wird, wird man sich auch diese Frau erinnern. So sagt er. Es ist keine Feststellung, sondern eine Verheißung, denke ich. Irgendwann! Irgendwann werden wir verstehen, dass wir uns in Gottes Nähe nicht verbiegen müssen, dass wir der Intuition der Liebe folgen sollten. Irgendwann werden wir eine Liturgie haben, die die Evangeliumslesung mit der Erinnerung an diese – namenlose - Frau verbindet. Während ich das schreibe, denke ich an Davos. Diesen geschlossenen elitären Kreis. Die vielen machtvollen Worte. Wo kommt uns da eine Retterin her?


Dompredigerin Cornelia Götz

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