09/01/2026 0 Kommentare
Es schneit!
Es schneit!
# Wort zum Alltag

Es schneit!
Wenn Sie genug Geld auf der hohen Kante haben und mutig und verrückt genug sind, können Sie sich – wahrscheinlich relativ einfach im Internet, einen privaten Kurztrip ins Weltall buchen. Und wo wir gerade bei dem Thema sind: Die CSU beschäftigt sich in einem Positionspapier mit der Möglichkeit, zukünftig menschliche Organe im Orbit per 3D-Druck herzustellen. Wir bauen Autos, die autonom durch die Weltgeschichte gondeln, klonen Schafe, und können mathematisch x-dimensionale Räume darstellen. Aber wehe, es schneit mal etwas kräftiger.
Dann werden wir geerdet, auch, wenn man gerade die Erde nicht sehen kann, weil ja so viel Schnee drauf liegt. Alle schalten zwangsweise ein paar Gänge runter und unsere Stadt und das Land, das sie umgibt erscheinen in sauberem Weiß und in einer besonderen Stille und das nicht nur, weil der Schnee, wie wir aus der Weihnachtszeit noch wissen, eben leise rieselt.
Ja, ich sehe natürlich, dass das mit einer ganzen Reihe von negativen Effekten verbunden ist: Eltern müssen sehr spontan für die Kinderbetreuung sorgen, weil Schulen und Kitas geschlossen haben, manch eine und manch einer rutscht aus und verletzt sich, und wer Schnee zu räumen hat, fühlt sich vielleicht ein bisschen wie der alte griechische König Sisyphos erinnert, dem es nicht gelang, die Felsenkugel den Berg hinaufzurollen.
Doch ich sehe auch, dass uns ein solcher Wintereinbruch guttut. Denn wir können darin erkennen, dass trotz allen Fortschrittes manchmal ein paar Schneeflocken ausreichen, um uns unsere Begrenztheit vor Augen zu führen. Wir lernen einmal mehr, wertzuschätzen, wie segensreich ein warmes zu Hause und ein gut gefüllter Kühlschrank sind. Und wir werden achtsam auf all jene, die diese Privilegien nicht haben und die mit großer Sorge auf die nun anstehenden kalten Nächte blicken.
Nächstenliebe hat auf einmal die Chance, sehr konkret zu werden – in dem wir aufeinander achten, einander im wahrsten Sinne des Wortes stützen und versorgen. Und Demut kann wachsen, weil wir eben live und in Farbe erleben, dass wir zwar theoretisch zum Mond fliegen können, praktisch aber der Bus zur Weltraumstation nicht durch die Schneeverwehungen kommt.
Und doch gibt es etwas, worauf wir uns bei jedem Wetter verlassen können. Darauf, dass Christus uns begleitet und uns nahe ist. Denn Gott wird uns niemals aufs Glatteis führen, denn er hat uns zugesagt: „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen.“ So sei es! Amen.
Prädikant Heiko Frubrich
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