Die Vereinbarkeit von Privatem und Gemeinschaft

Die Vereinbarkeit von Privatem und Gemeinschaft

Die Vereinbarkeit von Privatem und Gemeinschaft

# Wort zum Alltag

Die Vereinbarkeit von Privatem und Gemeinschaft

Man muss nicht lange suchen, um eine der vielen Krisen dieser Welt zu erspähen. Nicht selten sind wir umgeben von Nachrichten, welche uns die aktuellen Krisen sehr detailliert präsentieren. Fast könnte man die kühne Behauptung wagen, dass wir von Krisenmeldungen umgeben sind. Doch was macht das mit uns?
Laut einer Studie des Kölner Rheingoldinstituts sei für Menschen der Rückzug ins Private eine Reaktion auf Krisen. 61% der Befragten gaben an, sich nicht mehr ausführlich über das Weltgeschehen zu informieren, sich abzugrenzen von der Außenwelt, sie gar teils zu ignorieren und sich dem Privaten hinzuwenden. Für viele Menschen genießt das Private jedenfalls einen hohen Stellenwert, möglicherweise auch für Sie.
Privat“. Jenes Adjektiv begegnet uns im Alltag häufig. Wir dürfen ein Gelände nicht betreten, weil es ein Privatgrundstück ist. Wir deklarieren eine Information als „privat“, um sie nicht preisgeben zu müssen oder ziehen uns - wie eben gehört -  ins „Private“ zurück.
Eine sprachwissenschaftliche Betrachtung dieses Adjektivs kann sehr erhellend sein: Es geht auf das lateinische „privare“ zurück, was sich mit „beraubt“ oder „abgesondert“ übersetzen lässt.
Das verleiht den oben so oft genutzten Worten eine ganz andere Erscheinung und Deutungsebene: Ziehen wir uns ins Private zurück, so sondern wir uns ab; von der Außenwelt; von unseren Nächsten.
In Krisenzeiten ziehen wir uns zurück ins Private; so konstatiert es jedenfalls die Studie.
Manchmal, da ist jener Rückzug ins Private notwendig, um sich wieder zu besinnen und Ruhe zu finden. Wir grenzen uns also ab von der so lauten Umwelt, suchen Schutz, Ruhe und einen Moment zum Innehalten. Das ist ebenso von Bedeutung, um die eigenen Gedanken zu ordnen, das Erlebte verarbeiten zu können oder zu reflektieren. Vielleicht ersuchen wir auch im Gebet den HERRN, um auf diese Weise Halt zu finden.

Kann aber jene Abschottung von der Gemeinschaft ein allgemein tragfähiges Konzept sein, oder hat sie auch ihre Grenzen?
Die Bibel gibt an vielen Stellen Antwort auf jene Frage, so schreibt auch der Apostel Paulus im 1. Korinther-Brief: „Ich ermahne euch aber, Brüder und Schwestern, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle mit einer Stimme redet; und lasst keine Spaltungen unter euch sein, sondern haltet aneinander fest in einem Sinn und in einer Meinung.“ (1. Kor, 10)
Wenngleich dieser Gedanke Paulus´ etwas betagter ist, ist er auch oder gerade in heutigen Zeiten treffend. Er widmet diese und weitere Worte an eine Gemeinde, deren Spaltung er moniert. Paulus appelliert an Zusammenhalt binnen der Gemeinschaft.
Weiter schreibt der Apostel: „Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus   Christus, unseres HERRN.“ (1. Kor, 9)
An dieser Stelle wird explizit die Gemeinschaft betont. Es ist nicht bloß jeder Einzelne, der mit dem HERRN verbunden ist, vielmehr ist es die Gemeinschaft zwischen Gott und uns Menschen. Ferner beruft Gott uns Menschen zur Gemeinschaft mit ihm.
In der Verbundenheit, da ist man für einander da und hilft einander. Wo zusammengehalten und einander unterstützt wird, dort erwächst Stärke. Und jene Stärke, gewonnen aus dem Bund der Gemeinschaft, ist es, die uns Krisen gemeinsam bewältigen oder überstehen lässt.
Halten wir also als Gemeinschaft geschlossen zusammen und berauben uns selbst nicht dem Bund mit unseren Mitmenschen, um die Wortbedeutung des Adjektivs „privat“ nochmal aufzugreifen. Entfernen wir uns nicht voneinander und bleiben gemeinsam im Bund mit dem HERRN.
Amen.


Felix Lenda

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