05/02/2026 0 Kommentare
Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich (Psalm 16,1)
Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich (Psalm 16,1)
# Wort zum Alltag

Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich (Psalm 16,1)
Dieser eine kurze Vers sagt eigentlich schon alles. Keine langen Erklärungen, keine frommen Formeln. Nur ein ehrliches Gebet: Bewahre mich, Gott. Und gleich danach der Grund: Denn ich traue auf dich.
Der Psalmist kommt nicht als jemand, der alles im Griff hat. Er kommt nicht mit einem Plan B, nicht mit Sicherheiten in der Hinterhand. Er kommt mit Vertrauen. Und dieses Vertrauen ist kein Gefühl, sondern eine Entscheidung. Eine Haltung: Ich lege mein Leben in deine Hände.
„Bewahre mich“ – das ist ein starkes Wort. Es heißt nicht: Mach mein Leben bequem. Es heißt nicht: Lass mir Leid erspart bleiben. Es heißt: Halte mich fest. Lass mich nicht verloren gehen. Bleib bei mir, egal was kommt.
Wie oft wünschen wir uns genau das: bewahrt zu sein. In einer Welt, die sich manchmal unsicher anfühlt. In Situationen, die uns überfordern. In Momenten, in denen wir Angst haben, etwas zu verlieren – oder uns selbst.
Der Psalm erinnert uns daran, dass Vertrauen nicht erst dann möglich ist, wenn alles gut läuft. Vertrauen beginnt mitten im Ungewissen. Gerade dort. Der christliche Glaube ist kein Glaube an perfekte Umstände, sondern an einen treuen Gott.
„Denn ich traue auf dich.“ Nicht: Ich verstehe alles. Nicht: Ich habe alles im Griff. Sondern: Ich vertraue dir.
Im Neuen Testament wird dieses Vertrauen in Jesus Christus sichtbar. In ihm zeigt Gott, dass er nicht fern bleibt, sondern mitgeht – auch durch Leid und Tod hindurch. Bewahrung bedeutet deshalb nicht, dass uns Schweres erspart bleibt, sondern dass wir darin nicht verloren gehen.
Das ist Glaube im Kern: Ich halte mich nicht selbst. Ich werde gehalten. Nicht durch meine Stärke, sondern durch Gottes Treue. Nicht durch meine Leistung, sondern durch seine Gnade. Ja, nicht mein Festhalten an Gott ist entscheidend, sondern dass Gott mich festhält.
Dieser Psalm lädt uns ein, unser eigenes Gebet darin zu entdecken. Vielleicht ganz leise. Vielleicht mit zittriger Stimme. Aber ehrlich.
Und so dürfen wir diesen Vers mitnehmen in unseren Alltag: Morgens, bevor wir losgehen. Abends, wenn Fragen offen bleiben. Oder mitten im Alltag, wenn uns die Kraft fehlt. In Entscheidungen, die uns Angst machen. In Zeiten, in denen wir müde sind. In Augenblicke, in denen wir nicht weiterwissen.
„Bewahre mich, Gott – denn ich traue auf dich.“
Mehr braucht es manchmal nicht.
Prädikant Marc Bühner
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