Sternenhimmel

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# Wort zum Alltag

Sternenhimmel

Mich hat es ja seit ein paar Monaten nach Helgoland verschlagen, wo ich als Prädikant Dienst tue, weil die Pfarrstelle unbesetzt ist. Die Arbeit dort ist in vielerlei Hinsicht spannend und erfüllend und schön und auch die Insel an sich ist ein wunderbarer Ort. Was man dort zum Beispiel besonders eindrucksvoll erleben kann, ist der Sternenhimmel. Das geht dort besser als anderswo, weil zum einen nichts den Blick versperrt und zum anderen auch kaum störendes Licht die Strahlkraft der Sterne beeinträchtigt. Und wenn dann der Himmel wolkenlos und es vollkommen dunkel ist, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.
Und mehr noch: Wenn man in einem solchen Moment auf dem Oberland steht und in die Sterne schaut, dann erdet das ungemein. Dieser Blick in die Unendlichkeit, den uns Gott gestattet, macht deutlich, was für ein winzig kleines Rad wir doch in diesem unfassbaren Universum sind und wie wenig Einfluss wir auf diese große Ganze haben. Wahrscheinlich wirkt diese Erkenntnis bei Menschen ganz unterschiedlich. Ich finde sie entlastend. Denn sie sagt mir: Egal, wie wichtig du dich nimmst, egal, wie sehr du dich aufplusterst, egal, wie laut du schimpfst – noch nicht einmal der kleinste Stern, den du dabei siehst, leuchtet dadurch heller oder dunkler.
Ja, Leben ist manchmal ungerecht, traurig und leidvoll. Und wir haben nur diese eine hier auf dieser Erde und wenn es nur geprägt davon ist, Lasten zu tragen, die für einzelne Schultern zu schwer sind, dann kann uns das traurig und mutlos und wütend machen – als selbst Betroffener oder als jemand, der es mitansehen muss. Doch es gibt auch immer solcherlei Dinge, über die es sich aufzuregen oder gegen die es anzurennen einfach nicht lohnt – weil wir darauf ohnehin keinen Einfluss haben oder weil sie unter dem unendlichen Sternenzelt betrachtet, tatsächlich unwichtig sind. Diese Erkenntnis kann uns das Leben leichter machen, wenn wir sie denn annehmen.
Und etwas anderes kann so ein Blick in den klaren Sternenhimmel noch bewirken: nämlich Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass Gott uns trotz unserer Winzigkeit sieht und kennt und liebhat. In der unendlichen Vielfalt und Größe und Unerreichbarkeit des Himmels und aller Himmel Himmel hat Gott uns alle einzeln gedacht, geschaffen und uns bei unserem Namen gerufen, auf das wir zu ihm gehören und deshalb nicht herausfallen können aus seiner Liebe.
Im 139. Psalm heißt es: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“
Darauf dürfen wir vertrauen, auf Helgoland, in Braunschweig und überall dort, wo das Leben uns hinführt. Gott sei Dank! Amen.


Prädikant Heiko Frubrich

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