10/08/2026 0 Kommentare
Mit Kirche habe ich nichts am Hut
Mit Kirche habe ich nichts am Hut
# Wort zum Alltag

Mit Kirche habe ich nichts am Hut
In Gemeinschaft mit anderen Menschen begegnet mir dieser Satz immer mal wieder. Manche sagen ihn sehr laut, sehr deutlich. Andere wiederum etwas leise, ja fast zaghaft. Und andere fügen noch den Satzteil hinzu: „Ich bin da nicht so wie du“.
Dieser Satz, ausgesagt von Menschen in Begegnung mit mir, hat mich das ein oder andere Mal stark irritiert. Manchmal glaubte ich sogar, in diesem Satz einen Vorwurf an mich zu hören und ich habe mich gefragt, warum es ihnen so wichtig ist, mir diese Information zukommen zu lassen.
Eine Antwort auf diese Frage kann ich an dieser Stelle nicht geben, weil es aus meiner Sicht diese eine Antwort nicht gibt.
Was es jedoch gibt ist, bei sensiblem Umgang mit den beschrieben Menschen, die Erkenntnis, das sich manche von ihnen von dem Ort Kirche magisch angezogen fühlen.
Sie betreten mal zaghaft, mal forsch diesen Braunschweiger Dom und werden dabei nicht müde darauf hinzuweisen, dass sie „Mit Kirche nichts am Hut“ haben.
Und dennoch sind sie hier, fast so als würden sie hereingezogen. Und das Besondere, sie lassen sich hereinziehen. Ich stelle mir dann manchmal an dieser Stelle die Frage, ob diese Menschen sich an diesen Ort ziehen lassen, weil sie eine tiefe Sehnsucht in sich tragen.
Eine Sehnsucht danach, Teil einer Gemeinschaft zu sein, zu vertrauen, zu hoffen, sich einbeziehen und ihre Seele wachsen zu lassen?
Vielleicht spüren sie ganz tief in sich, dass sie sich an einem Ort befinden, indem wir Menschen unser Leben – in aller Größe und in aller Schwachheit – vor den Ewigen Gott bringen können. Das sie gesehen und angenommen werden, genauso wie sie sind. Ja und auch, wenn sie diesen Satz: „Mit Kirche habe ich nichts am Hut“ vor sich als eine Art Bollwerk hertragen.
Vielleicht ahnen sie, das sie in diesem Gotteshaus keinen Schutz brauchen, sondern ihn erhalten, ohne darum bitten zu müssen. Das sie geliebt und angenommen sind. Das sie Zuflucht, Hoffnung, Beistand und Orientierung erleben können. Vielleicht ist ihnen so viel Gutes und Zugewandtes auf einmal einfach zu viel und sie müssen sich gedanklich mit ihrem Bollwerk davor schützen, um so viel Liebe und Beistand aushalten zu können.
Ob mit oder ohne Bollwerk. Ich halte den Gedanken für besonders wertvoll, dass wir alle miteinander geliebte Kinder Gottes sind.
In diesem Sinn bleiben wir geliebt und beschützt.
Lektorin Martina Raschdorf-Jahn
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