Loslassen am Abend…

Loslassen am Abend…

Loslassen am Abend…

# Wort zum Alltag

Loslassen am Abend…

Der Abend ist eine besondere Zeit. Langsam kehrt Ruhe ein. Der Tag liegt hinter uns – mit allem, was gelungen ist, und mit dem, was offen geblieben ist. Vielleicht tragen wir Dankbarkeit in uns. Vielleicht aber auch Sorgen, Enttäuschungen oder Fragen.
Am Ende eines Tages spüren wir besonders deutlich, dass wir nicht alles in der Hand haben. Wir können Vergangenes nicht mehr ändern. Wir wissen nicht, was der nächste Morgen bringen wird. Irgendwann legen wir unsere Arbeit aus der Hand, schließen die Haustür, löschen das Licht und schlafen ein. Wir lassen los.
Und gerade darin steckt ein großes Vertrauen. Während wir schlafen, bleibt Gott wach. Während wir loslassen, hält er uns.
Der Psalmbeter bringt dieses Vertrauen mit einfachen Worten zum Ausdruck: „Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, hilfst mir, dass ich sicher wohne.“ (Psalm 4,9) Was für ein tröstlicher Gedanke: Gottes Fürsorge macht keine Pause. Seine Liebe kennt keinen Feierabend. Während wir zur Ruhe kommen, bleibt Gott derselbe. Er wacht über uns – nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht.
Vielleicht denken wir heute Abend an Begegnungen, die uns Freude gemacht haben. Vielleicht kommen aber auch die Dinge hoch, die wir lieber vergessen würden: ein unbedachtes Wort, eine verpasste Gelegenheit oder eine Sorge, die uns schon länger begleitet. Wir müssen diesen Tag nicht vollkommen abschließen. Wir dürfen ihn Gott hinlegen – mit allem, was schön war, und mit allem, was schwer war. Vor Gott dürfen wir all das ausbreiten. Er kennt unser Herz längst. Wir müssen ihm nichts vormachen. Denn Gott hält uns nicht nur dann, wenn wir stark sind. Er hält uns auch dann, wenn wir müde sind. Nicht nur, wenn unser Glaube groß ist, sondern auch dann, wenn wir kaum Worte für ein Gebet finden.
Jesus hat einmal gesagt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Das gilt auch heute Abend. Wir dürfen die Lasten des Tages bei ihm ablegen. Er nimmt sie ernst und schenkt neue Kraft – nicht dadurch, dass alle Probleme verschwinden, sondern indem er uns Frieden ins Herz gibt.
So wird der Abend zu einer Zeit des Loslassens. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Vertrauen. Wir müssen unser Leben nicht allein bewältigen. Es gibt einen, der unsere Wege kennt, der unsere Ängste sieht und dessen Liebe größer ist als das, was uns bedrückt. So dürfen wir diesen Abend ruhig werden lassen. Nicht, weil alle Probleme gelöst wären, sondern weil wir wissen: Einer wacht über uns. Einer trägt uns. Einer lässt uns nicht los.
Mit diesem Vertrauen dürfen wir in die Nacht gehen. Nicht, weil wir auf alles eine Antwort hätten, sondern weil wir wissen: Gott geht mit. Er ist gestern derselbe gewesen, heute ist er da und auch morgen wird er uns nicht verlassen. So gehen wir in die Nacht – geborgen in Gottes Hand und in der Hoffnung, dass wir auch morgen in seiner Liebe geborgen aufwachen.


Prädikant Marc Bühner

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