25/09/2026 0 Kommentare
Immer wieder
Immer wieder
# Wort zum Alltag

Immer wieder
Leben wir in einer Zeit, in der unsere moralischen Vorstellungen versagen und unser Gewissen verstummt? Wie zentral ist die Frage nach „Werten“ und Wurzeln – erst recht dann, wenn eine Gesellschaft sich als säkular versteht und vor allem an Wachstum und Wohlstand glaubt.
Wo finden wir Kriterien für Entscheidungen, die Menschenwürde garantieren, Gerechtigkeit und Frieden suchen und die helfen, ein Land zu bauen, in dem Kinder und Alte, Fremde und Schwache, mit einem Wort „alle“ sicher leben können und ein zuhause haben?
Darüber müssen wir streiten; wir sind mündige Menschen, Bürgerinnen und Bürger. Und wir haben, etwas Wichtiges einzubringen, denn wir gehören zu einer Minderheit, die einen Unterschied machen könnte, weil wir als Christinnen und Christen mit der Bibel nicht nur ein Buch haben, dem absolut nichts Menschliches fremd ist – egal ob es Geschwisterkonflikte, Erbstreitigkeiten oder romantische Liebesgeschichten sind – sondern vor allem, weil die Bibel konsequent festhält an dem, was gut ist und dem Leben dient.
Darum erzählt sie von Menschenwürde, die allen eigen ist, weil wir alle unser Leben aus Gottes Hand nehmen und uns ihm verdanken, weil wir alle davon leben, dass er uns sieht und weil wir darin mit unseren Menschengeschwistern verbunden sind. Menschlichkeit ist nicht abhängig davon, wo wir geboren sind, wer unsere Eltern waren, welche Hautfarbe wir haben. Dass wir Geborene sind und sterben werden, dass wir nie vollkommen und immer aufeinander angewiesen sind, macht uns zu Gleichen.
Darum erzählt die Bibel von Berufung. Gott ruft uns in Verantwortung, jede und jeden. Es ist nicht egal, ob wir da sind, ob es uns gibt, ob wir aufstehen und jeden Tag aus seiner Hand nehmen und das Beste daraus machen. Das gibt unserem Leben Sinn und Ziel.
Darum erzählt die Bibel vom Neuanfang, weil so im Bewusstsein bleibt, dass Gott aus dem Nichts, dem Chaos und der Zerstörung eine Welt geschaffen hat, die gut eingerichtet ist, in der immer mehr möglich ist als wir denken und jeder neue Tage eine neue Chance birgt, die Vergebung und Veränderung schenken kann.
Aber die Bibel ist auch überaus klar darin, dass Gott Partei ergreift und zwar nicht für die, die nach den Kriterien unserer Welt Erfolg haben, Leistungsträger*innen sind. Er steht an der Seite derer, die aus dem Blick und an den Rand geraten, die es schwer haben und er will dort nicht alleinstehen. Sein Ruf an uns, seine Wegweisung zeigt eine klare Richtung. Wir können ihm nicht folgen und zugleich unsere Herzen und Hände, unsere Türen und Grenzen verschließen.
Und zuletzt, Gott sucht den Frieden – nicht den Erschöpfungsfrieden nach schrecklichen Kämpfen, nicht den Diktatfrieden – sondern den, der blüht, wenn Gerechtigkeit Früchte trägt. Und auch da wissen wir, dass der Blick auf uns, unsere Sicherheit und unseren Wohlstand den Hunger und die Not anderer in Kauf nimmt.
Hier schließt sich der Kreis: so muss es nicht bleiben.
Wir haben eine unerschöpfliche Ressource an Geschichten und Zuspruch, an Hoffnung – nicht für irgendwann und irgendwo, sondern für diese Welt, für heute, hier und jetzt.
Wir können aus ihr schöpfen, wenn wir lernen, die Bibel zu lesen.
Dompredigerin Cornelia Götz
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