Gottes Spuren

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# Wort zum Alltag

Gottes Spuren

Die Klugheit der Menschen ist begrenzt, die Blödheit leider nicht. Dieser Satz wird so oder so ähnlich Albert Einstein zugeschrieben und man kann nur sagen: Recht hat er! Und ich ganz persönlich und subjektiv habe den Eindruck, dass in entscheidenden Positionen immer mehr Leute sitzen, bei denen die von Einstein genannte Begrenztheit in besonderer Weise deutlich wird.

Schräge Präsidenten brechen in Ost und West Kriege vom Zaun, ein durchgeknallter Minister in Tel Aviv fordert, in jeder Nacht 30 bis 40 Palästinenser im Gazastreifen gezielt zu töten, oder, um mal ein Beispiel aus der Nachbarschaft zu nennen: Der Spitzenkandidat einer gesichert rechtsextremen Partei plant nach einem möglichen Wahlsieg in Sachsen-Anhalt Kirchen, Wissenschaftlern und Kulturschaffenden das Geld zu streichen, wenn sie nicht nach seiner Pfeife tanzen.

„Wir haben Gottes Spuren festgestellt auf unsern Menschenstraßen, Liebe und Wärme in der kalten Welt, Hoffnung, die wir fast vergaßen.“ So übersetzt Diethard Zils den französischen Choral „Nous avons vu les pas de notre Dieu“. Ich finde es gerade in diesen wirklich wilden Zeiten hilfreich und tröstlich, genau das zu hören. Denn es gibt sie ja tatsächlich: Gottes Spuren auf unseren Menschenstraßen, auf denen uns auch so viel Schweres, Grausames und Angsteinflößendes begegnet.

Liebe und Wärme in der kalten Zeit – ja, es ist doch genau das, was wir immer und immer wieder brauchen. Liebe und Wärme, wie sie uns in anderen Menschen begegnet – in unseren Beziehungen und Partnerschaften, in unseren Freundschaften, im zufälligen Aufeinandertreffen auch heute hier im Dom. Und all das kann tatsächlich unsere Hoffnung stärken, unsere Hoffnung darauf, dass es auch wieder besser werden kann in dieser Welt, unsere Hoffnung, die wir fast vergaßen.

„Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen Tagen, Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen.“ So lautet der Refrain des Liedes. Ja, zugegeben, die großen Zeichen und Wunder mit allen möglichen himmlischen und göttlichen Spezialeffekten liegen schon einige Zeit zurück. Doch die kleinen Spuren Gottes können wir nach wie vor und immer wieder und aufs Neue finden.

„Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“, hat Jesus Christus uns versprochen. Und diese Zusage gilt. Gott wird in ihm auch unsere Wege gehen und uns durch unser Leben tragen, ganz egal, was auch immer passieren mag – in unserer kleinen Welt oder in der großen weiten um uns herum.

Fromme Plattitüden? Ja, vielleicht sind das fromme Plattitüden. Aber mir es ist wichtig, dass ich das verinnerlicht habe und halte. Denn es hilft mir, mit ein wenig mehr Gelassenheit auf das Schräge und Schwere und Schreckliche dieser Welt zu schauen. Und vielleicht hilft es Ihnen ja auch. Amen.


Prädikant Heiko Frubrich

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